Donnerstag, 26. Mai 2011

Die Band von nebenan

Die Band von nebenan


Israel, 2007
Genre: Komödie
Regisseur: Eran Kolirin
Darsteller: Sasson Gabai, Saleh Bakri

Ägyptens Polizeiorchester muss nach Israel zu einem Kulturfestival. Vom Flughafen in Tel Aviv wollen die Bandmitglieder mit dem Bus zum Veranstaltungsort fahren. General Tawfiq ordnet dem jungen Khaled an, Bustickets für die Stadt Petah Tikva zu kaufen. Am Schalter passiert Khaled jedoch ein Missgeschick, wodurch die sechsköpfige Truppe in einer kleinen, vom Namen ähnlich klingenden Siedlung landet. Dort treffen sie die Restaurantbesitzerin Dina und einige ihrer Freunde. Da die Musiker hungrig sind und keine Unterkunft für die Nacht haben, beschließen sie Dina zu fragen, ob sie ihnen nicht helfen könne.

Kommentar: Es ist eine Geschichte der Gegensätze, die in ruhigen Bildern etwas beschreibt, was mit vielen Worten und Plappereien vielleicht gar nicht möglich wäre. Der wortkarge und sehr pragmatisch wirkende General trifft auf die flotte und lebenslustige alleinstehende Dina. Frauenheld Khaled geht zusammen mit dem verklemmten noch jungfräulichen Kumpel von Dina in die Disko und treibt diesen zu Höchstleistungen im Flirtverhalten. Das Resultat ist heitere Situationskomik. Die Charaktere sehnen sich nach Bestätigung und Liebe, sie mögen zwar alle sehr unterschiedlich sein und ungleiche kulturelle Vorstellungen haben, aber ihr Herz schlägt im gleichen Takt. Die Auffassung von Verständigung geht in diesem Film über das Ausgesprochene hinaus. Worte haben hier weniger Gewicht, viel mehr kommunizieren die Personen durch Blicke und Gesichtsausdrücke. Das sind die kräftigeren Akzente. Und das will der Film einfach mitteilen: Kommunikation erschließt neue Welten, sie macht toleranter und hilft uns gegenseitig besser zu verstehen.

5/10

Montag, 23. Mai 2011

Die beste Mutter

Die beste Mutter


Finnland/Schweden, 2005
Genre: Drama
Regisseur: Klaus Härö
Darsteller: Topi Majaniemi, Michael Nykvist

Das Jahr 1943 beherrscht der Krieg. Die Zeiten sind schwer. Männer haben die Pflicht sich als Soldaten zu beweisen, die Frauen sind auf sich allein gestellt und müssen sich um die Kinder kümmern. Eine solche Frau ist die Mutter von Eero. Sie schickt ihren Sohn aus Sorge mit vielen weiteren finnischen Kindern in das sichere Schweden. Eero versteht die Situation allerdings überhaupt nicht und möchte zurück zu seiner Mutter. Seine Ersatzeltern sind Landwirte, die an der Küste leben und sich verpflichtet fühlen Eero ein neues Zuhause zu geben. Doch Signe, seine Ersatzmutter, hat Schwierigkeiten einen Zugang zu Eero zu finden.

Kommentar: Dieser Film mit finnländischen wie schwedischen Produktionswurzeln fängt den Schrecken des Krieges aus der Sicht eines Kindes ein. In bestechend klaren Bildern liefert er uns eine wunderschöne schwedische Küstenlandschaft vor die Augen und immer wieder erklingt ein schwerfällige Pianomelodie, die der Atmosphäre gut tut und sich mit den gezeigten Spannungen oder Tagträumerein des Protagonisten auflädt. Die Probleme von Eero bleiben immer nachvollziehbar und ergeben sich aus der soliden Schauspielerleistung von Topa Majaniemi, der das zerrütete Kind, welches aufgrund von Bindungsangst, aber auch Entfremdung früh in seiner Lebensgeschichte mit Problemen komplexer Art konfrontiert wird, mimt. Allerdings kann der Film aus seiner einfachen Grundhandlung auch nicht viel machen und verliert sich im Netz von extrem penetranter Gefühlsmusik und vorhersehbaren Wendungen. Da dient der recht unkonventionelle Erzählstil ein wenig als Mittel zur Verleugnung der Einfallslosigkeit des Drehbuchs.

3/10

Samstag, 21. Mai 2011

Kinatay

Kinatay


Philippinen/Frankreich, 2009
Genre: Thriller, Drama
Regisseur: Brillante Mendoza
Darsteller: Coco Martin, Julio Diaz

Es ist Morgen, in Manila ist auf den Straßen schon sehr viel los. Auch Peping und seine Verlobte Cecille gehören zu den vielen Menschen, die in den frühen Stunden schon auf den Beinen sind. Doch während die Mehrheit wohl Geld verdienen geht, haben Peping und Cecille vor an diesem Morgen zu heiraten. Sie haben schon ein Kind, ihre Familien sind stolz auf sie und Peping wird bald richtiger Polizist. Aber am selben Tag nach der Heirat kommt der Kontrast zum Vorschein. Der junge Polizeischüler verdient wenig Geld und muss nebenbei den Geldeintreiber für einen ehemaligen Cop spielen. Diesen Abend wird er dazu gedrängt bei einer speziellen Aktion mitzumachen, bei der es besonders Geld zu holen gibt. Allerdings gibt es für Peping auch etwas zu verlieren.

Kommentar: Die Nacht, die Peping's Leben für immer verändert, ist eine grausame Flut, die ihn überrollt und an Erfahrung reich macht. Der vor Stunden noch so coole und lässige Polizeischüler befindet sich plötzlich in einem Kosmos aus Verbrechen und Gewalt. Der harten Realität kann er nicht entfliehen. Mehrmals hat er den Gedanken sich vor den Gangstern loszulösen, weil er weiß, dass er Mittäter ist, weil er weiß, dass diese Gewaltaktion sich gegen seine moralischen Vorstellungen richtet. Die Mimik ist Zeugnis seiner Angst und Erschütterung. Die Handkamera-Aufnahmen bringen das intensive Gefühlsspiel nah und der elektronisch-wabernde Soundtrack, der sich bis zu zwanzig Minuten lang selbst feiert, verstärkt den Eindruck einer inneren Disharmonie, die den Protagonisten Peping verstört wirken lässt. Der Film mag an einigen Stellen sehr plump sein und viele Gewaltmomente dienen wohl eher der medialen Aufmerksamkeit als der Erzählung, trotzdem ernährt sich "Kinatay" nicht bloß von seiner drastischen Darstellung abgeschnittener Körperteile, sondern ist vor allem eine Reflexion auf bestimmte soziale Probleme Philippiniens.

6/10

Samstag, 14. Mai 2011

Es beginnt heute

Es beginnt heute


Frankreich, 1999
Genre: Drama
Regisseur: Bertrand Tavernier
Darsteller: Philippe Torreton, Maria Pitarresi

Daniel ist ein Lehrer. Engagiert und leicht idealistisch arbeitet er an seiner Schule, die in einem Ort liegt, welcher eine auffällig hohe Arbeitslosenquote aufweist. Ständig sorgt er sich um die Kinder wenig vermögender Eltern und streitet sich mit den Mitarbeitern aus dem Sozialamt, die seiner Meinung nach der Bürokratie willen viel zu wenig Antrieb zur Unterstützung ärmerer Familien zeigen.

Kommentar: Wenn einer Menschen mit viel Feinsinn beobachten kann ohne sie für Fehler an die Wand zu stellen, dann auf jeden Fall Tavernier. Sein Objekt in diesem Film ist der überengagierte Pädagoge Daniel, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, sozialen Benachteiligungen den Kampf anzusagen. Tavernier unternimmt hierbei eine Wanderung zwischen Stilen und Genres, benennt keine Schuldigen und verweist immer wieder auf den Stellenwert der Kinder. Die Message des Films ist glasklar: jedes Kind verdient eine faire Chance und ein Aussortieren hat Folgen für die Gesellschaft. Was Tavernier nicht gut gelingt, ist die Zeichnung des Familienlebens von Daniel. Zwischenmenschliche Konflikte lösen sich quasi in Luft auf; das hohe Interesse den Lehrer einmal nicht in engelhafter Gestalt zu beobachten, bleibt bis auf kleinere, eher nebensächliche Sequenzen unbefriedigt. "Es beginnt heute" ist eine erwachsene und höchst humane Angelegenheit, die ihre Kraft aus der Message bezieht.

6/10

La mala educacion

La mala educacion


Spanien, 2004
Genre: Drama
Regisseur: Pedro Almodovar
Darsteller: Gael Garcia Bernal, Fele Martinez

Der erfolgreiche Filmregisseur Enrique bekommt eines Tages Besuch von seinem alten Schulfreund Ignacio. Ignacio gibt sich als Schauspieler aus, übergibt Enrique eine Erzählung mit dem Titel "Der Besuch" und wünscht sich, dass dieser es liest. Ein paar Tage später treffen sich beide wieder. Der Regisseur hält den Stoff der Erzählung für höchst interessant und möchte einen Spielfilm daraus machen. Allerdings ist das Vertrauen in Ignacio nicht sonderlich groß, weil Enrique in ihm kein Stück Mensch erkennt, mit dem er vor mehr als 15 Jahren zur Schule gegangen ist. Voller Skepsis macht er sich auf die Suche, um rauszufinden, wer der Kerl ist, der ihm die Story für einen Film gibt, in der er selbst keine kleine Rolle spielt. - Manchmal verwirrend, manchmal durchgedreht. Doch hier ist nicht nur die Handlung ein schwerer Brocken, sondern auch die Art, wie sich diese aufbaut. Auf mehreren Zeitebenen zur Darbietung auf Position gebracht, braucht der Film einige Minuten bis er das richtige Tempo findet, was jedoch einen gewaltigen Strudel auslöst, da man als Zuschauer mehr und mehr hineingesaugt wird, in eine Geschichte, die kaputte Liebe zum Thema macht, in der niemand ein Held ist und auch gar nicht sein kann. Gott als letzte Instanz scheint für die dargestellten Figuren keinen Platz mehr in ihrer Welt zu haben. Almodovar zeigt wieder deutlich wie Mise en scene auszusehen hat und kräftigt die Charakterköpfe durch perfekte, teils schrille Kulissen. Nebenbei ist der Film ein unumfahrbarer Film-im-Film-Parkour, der zwischen den Grenzen der Wirklichkeit und Fiktionalität verkehrt und gerne eine genaue Auflösung vortäuscht, diese jedoch nicht hergibt.

8/10

Freitag, 13. Mai 2011

Der Wald der Trauer

Der Wald der Trauer


Japan/Frankreich, 2007
Genre: Drama
Regisseur: Naomi Kawase
Darsteller: Machiko Ono, Shigeki Uda

Ein kleines Altenheim liegt abgelegen von der Stadt in einem Wald. Hier arbeitet Machiko mit einigen weiteren Fachkräften und betreut ältere Menschen. Eines Tages macht Machiko einen einfachen Ausflug mit dem leicht gestörten Shigeki, einem Bewohner des Altenheims. In den Tiefen des Waldes lernen sie sich schätzen und entdecken, dass sie beide in der Vergangenheit etwas Wertvolles verloren haben. - Langatmiger, kleiner Streifen von Regisseurin Naomi Kawase, die ohne viel Fantasie und Einfallsreichtum eine außerordentlich depressive Entdeckungsreise in das Herz zweier Menschen wagt. Merkwürdige Kamerafahrten sowie Schnitte verstärken den negativen Eindruck, dass ordentliche Handwerksarbeit nicht ganz oben auf der Was-ist-zu-tun-Liste stand. Den Wald als Leitmetapher für Verlust im ganzen Film breitzutreten, ist mit Sicherheit ein mutiges, hier leider eben in jeder Hinsicht suspektes Verhalten. Auch im letzten Akt, im schweigsamen Orchester von Offenbarungen, die ohne Umschweife die beiden Hauptfiguren Machiko und Shigeki drängen, die bis dahin hinter Gitterstäben positionierten Emotionen in die Freiheit gehen zu lassen, entgeht der jungen Filmschaffenden Naomi Kawase die Chance den Charakteren eine wirkliche, lebendige Innenwelt zu verpassen, die eine Portion Einzigartigkeit markieren könnte mit der Absicht den Zuschauer zur Auseinandersetzung zu zwingen und aus ihm einen aktiven Seher zu machen. Stattdessen findet "Der Wald der Trauer" sich vor allem an der Oberfläche wieder. Beruhigende Fotografien, in des denen das Grüne der Natur, der Wald mit all den hohen Bäumen, für viele Dinge stehen kann. Und gerade mit den Widersprüchen dieser Dinge setzt sich die Regisseurin nicht konsequent auseinander.

2/10

Samstag, 7. Mai 2011

Viridiana (DVD-Kritik)

Viridiana


Spanien/Mexiko, 1961
Genre: Drama
Regisseur: Luis Bunuel
Darsteller: Silvia Pinal, Fernando Rey

Kurz vor ihrem Gelübde wird Viridiana gebeten, ihren Onkel Don Jaime für einige Tage zu besuchen. Obwohl er sich nie um sie gekümmert und sie auch sonst viel Schlechtes über ihn gehört hatte, entschließt sie sich trotzdem dem Onkel den Wunsch zu erfüllen. Bei ihrer Ankunft erkennt Don Jaime sofort, dass Viridiana seiner verstorbenen Frau außergewöhnlich ähnlich sieht. Am Abend vor ihrer Abreise überredet er seine Nichte, das Hochzeitskleid seiner Frau anzuziehen und sich zu präsentieren. Diesem Wunsch folgt die ahnungslose Viridiana und gerät zur späteren Stunde in Panik, als ihr Onkel mit der Absicht herausrückt, sie zur Frau nehmen zu wollen. - Ein Film wie ein Stich, der sich gegen die religiösen Vertreter und ihre scheinbar guten Absichten wendet. Viridiana - ausgestattet mit einem Herz aus Gold - stellt nicht bloß die (Gut-)Gläubigkeit dar, sondern auch die Nutzlosigkeit und den Unwillen diese zu registrieren. Dann ist da noch ihr vereinsamter und unbefriedigter Onkel, der sich nach Viridiana's Heimfahrt ins Kloster mit einem Springseil erhängt. Schuldgefühle, Gutmenschlichkeit und die Worte ihres Onkels, der ihr vor dem Selbstmord offenbarte, dass er schon immer Menschen helfen wollte, treiben Viridiana schließlich dazu, Habenichtse und Bettler ein Heim zu geben und sich um sie zu kümmern. Dafür kehrt sie auch vom Klosterleben ab. Und Bunuel wäre nicht Bunuel, wenn er moralische Prinzipien der Kirche in dieser Situation nicht in Frage stellen würde. Denn sofort nachdem Viridiana der Ordensschwester klar gemacht hat, dass sie mit dem Leben in der Nonnengesellschaft nichts mehr zu tun haben will, wird man Zeuge eines abwertenden Gesichtsausdrucks der Gottesdienerin. Überhaupt ist der ganze Film eine Ansammlung von Spielereien mit Symbolen und der Zurschaustellung verschiedener Perversionen. So ist ein handliches metallenes Kreuz mit einem ausfahrbaren Messer oder eine orgiastische Fressparade inklusive Da Vinci-Andeutung zu bestaunen. Die eindrucksvollste Szene besteht aus schnellen Schnitten und zeigt zwei Seiten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Da ist einmal Viridiana und ihre armen Taugenichtse wie sie auf den Knien betend gen Himmel lose Worte aussprechen und die andere Partei ist die des ungeliebten Sohnes von Don Jaime, nämlich Jorge, der mit seinen Arbeitern sich am weiten Feld zu schaffen macht und Modernisierungen plant. Illusion gegen Wirklichkeit, überholte Tradition gegen zielsetzende Moderne. Viridiana aber weiß nichts von der Realität, vom tatsächlichen Leben. Wie Jorge richtig klarstellt, ist sie an ihrer Religion verfault.

Zur DVD: Die DVD von Arrow Films hat keine Extras, dafür aber zum spanischen Originalton optionale englische Untertitel. Originalton in 1.0 Mono, nicht perfekt, aber ausreichend. Das Bild ist bis auf einzelne kurze Stellen sehr klar und die Schwarz-Weiß Farben können sich schon sehr sehen lassen.

9/10

DVD: 3/10

Freitag, 6. Mai 2011

Monrak Transistor

Monrak Transistor


Thailand, 2001
Genre: Drama, Komödie, Musik
Regisseur: Pen-Ek Ratanaruang
Darsteller: Supakorn Kitsuwon, Siriyakorn Pukkavesh

Pan und Sadao sind glücklich verheiratet und erwarten in den nächsten Monaten ein Kind. Doch ein unglücklicher Umstand reißt das junge Paar aus ihrem Glück. Pan wird vom Militär eingezogen und muss Frau und Kind zurücklassen. Als Soldat hält er es jedoch nicht lange aus und rennt seinem Traum nach, ein bekannter thailändischer Volkssänger zu werden. Was sich danach ereignet, ist eine Aneinanderreihung unglücklicher Zufälle. - Dass das Leben hart ist, weiß jeder. So richtig scheint Pan diese Begleiterscheinung aber erst zum Ende zu realisieren. Er ist ein klassischer Anti-Held, der nicht begreift, wie die Welt funktioniert. Diese Naitivität verkörpert auch seine Frau Sadao, die nach einer Enttäuschung einen anderen Mann an sich lässt, der sie nach Zeugung eines Kindes einfach sitzen lässt. Natürlich ist all der Rahmen hierfür eine klassische Lovestory. Jedoch nichts Runtergespultes oder Tausendmalgesehenes. Visuell hinterlässt dieser Film Spuren und die Bilder bleiben zum Ende hin in ihrer präsenten Ästhetik sehr emotional geladen. Auch die Verschrobenheit einiger Nebenfiguren findet ihre ganz eigene Nische in diesem Streifen, hervorzuheben sind sicherlich die Auftritte des sehr sarkastischen Gefängsniswärters, der Teile von Pan's tragikomischer Geschichte mit einem hämischen Lachen kommentiert. Nicht minder gelungen bringt Autorenfilmer Pen-Ek Ratanaruang die Mittel des Musicals zum Vorschein. Diese werden höchst sparsam, aber dafür präzise eingesetzt und funktionieren im Kontext der Handlung wunderbar. Der Film installiert sich recht schnell in den Kopf und von da krieg ich ihn persönlich wohl aufgrund der bilder- und tonangebenden Gewalt niemals weg. Oder wie Pan es krächzen würde: "Mai Leum."

7/10

Mittwoch, 4. Mai 2011

Jerichow

Jerichow


Deutschland, 2008
Genre: Drama
Regisseur: Christian Petzold
Darsteller: Benno Fürmann, Nina Hoss

Thomas kehrt nach Jerichow zurück, er zieht in das verlassene Haus seiner kürzlich verstorbenen Mutter ein. Der Besuch eines alten Freundes konfrontiert ihn mit der Vergangenheit und macht ihn um das ganze Geld, was er sich angespart hatte, leichter. Das Arbeitsamt vermittelt ihm eine höchst unterdurchschnittlich bezahlte Arbeit als Erntehelfter, so dass Thomas das Jobangebot des Türken Ali, den er zuvor vor Unannehmlichkeiten mit der Polizei beschützte, sofort und ohne nachzudenken annimmt und für ein deutlich höheres Gehalt Imbissbuden beliefert. Daraufhin feiert Ali mit seiner Frau Laura und seinem neuen Partner Thomas die gemeinsame Kooperation am Strand. - Sicherlich ein zu Kameraverliebtheit befeuertes Werk deutscher Filmkunst, das die Spannung nur andeutet und mit der seelischen Entkleidung der Charaktere wächst. Vor allem handelt es sich aber um ein stark minimalistisches Kino, weil auf Nebenpersonen und zu viele Kulissen verzichtet wurde. So wird nur das einfache, hässliche wie schöne, das wirkliche festgehalten und mit neorealistischen Zügen vermittelt, was das Endergebnis dennoch in die malerische Durchschnittlichkeit deponiert. Zu scheinbar sind dramaturgische Schwächen und die vielen beliebig austauschbaren Dialogteile. "Jerichow" ist ein zutiefst menschliches Drama, ebenfalls ein Ort wie eine Art Betonwand, an welcher die hier dargestellten Charaktere abprallen und der Abhängigkeit verfallen.

5/10

Battle Of Kingdoms

Battle Of Kingdoms


China/Hongkong/Südkorea, 2006
Genre: Historienfilm, Action
Regisseur: Chi Leung Cheung
Darsteller: Andy Lau, Sung-Kee Ahn

Im Jahre 370 v. Chr. beschließt die Nation Zhau das benachbarte Yan einzugreifen und zu erobern. Auf ihrem Weg liegt die kleine autonome Stadt Liang, die sie ebenfalls einnehmen wollen. Der König von Liang ruft nach Hilfe und bekommt diese in Person von Ge Li, einem Mozi-Krieger, der hervorragende Verteidigungskenntnisse besitzt und etwas von psychologischer Kriegsführung versteht. Mit ihm gelingt es der Stadt Liang sich zur Wehr zu setzen und die Soldaten von Zhau in die Flucht zu schlagen. Doch der König von Liang fürchtet um seine Macht. - Dieser Film setzt mehr auf gut gedrehte Kampfszenen als auf ein ausgeklügeltes Drehbuch. Und mit ausgeklügelt meine ich nicht primär originell, sondern viel mehr spreche ich von einem durchdachten und stringenten Screenplay. Der zwischenmenschliche Kampf zwischen dem rationalen und selbstlosen Volksliebling und dem festgefahrenen sowie paranoiden, machtgierigen König entwickelt sich zu einem unrealistischen Vorgang, dessen Dynamik künstlich freigesetzt erscheint und als perfektes Beispiel für minderwertige Drehbucharbeit dient. Die ersten 45 Minuten sind dagegen sehr nachvollziehbar, vielleicht hätte man sich also Konflikte anderer bzw. einfacherer Natur ausdenken sollen.

4/10

Montag, 2. Mai 2011

Oscar

Oscar


Frankreich, 1967
Genre: Komödie
Regisseur: Edouard Molinaro
Darsteller: Louis de Funes, Claude Rich

Eines Morgens wird Firmenchef Betrand von seinem Angestellten Christian erpresst. Dieser will sowohl Bertrands eigentlich schon vergebene Tochter heiraten als auch der zweite Geschäftsführer des Unternehmens werden. Im Gegenzug verspricht der Lohnbuchhalter eine Steuerhinterziehung Betrand's dem Finanzamt zu verschweigen. Betrand ist außer sich, doch noch ahnt er nicht im Geringsten von weiteren Problemen und Schwierigkeiten, denen er an diesem Tag begegnen wird. - Von der ersten Minute nimmt der Film Schwung an und dreht das Tempo hoch auf, die Intensität des Gezeigten sucht wahrlich seinesgleichen. Auch im Mittel- und Endteil geizt "Oscar" nicht mit Gags im Sekundentakt, was Auswirkungen eminenter Art bedeutet, da zum Durchschnaufen absolut keine Zeit bleibt. Louis de Funes liefert eine Galavorstellung als überdrehter, überforderter und leicht cholerischer Ehemann und besorgter Vater ab, der hier nicht mehr weit davon entfernt ist den Wahnsinn zu treffen und diesem tief in die Augen zu blicken. Die Nebendarsteller laden auch nicht gerade zum Schäfchen zählen ein, kein Wunder, bei all der Skurrilität, die sich auszeichnet. Die debilen Gesichtsausdrücke des Masseurs wird man im Leben nicht vergessen.

8/10