Samstag, 17. September 2011

Unter Schnee

Unter Schnee


Deutschland, 2011
Genre: Dokumentation
Regisseur: Ulrike Ottinger
Darsteller: Takamasa Fujima, Kiyotsugu Fujima

Die jungen Männer Takeo und Mako reisen mit dem Zug ins provinzielle Echigo, wo sie das Neujahrsfest verbringen wollen. Sie wandern im Schnee und kommen durch eine Füchsin, der sie auf wundersame Art und Weise folgen, vom Weg ab und kommen zu einer Hütte, in der sie die Nacht verbringen wollen. Die Besitzerin klärt sie darüber auf, die Tür neben dem Essplatz nicht aufzumachen. Doch die Neugier der Männer siegt, als sich die Frau zu Bett legt. Wieder passiert ein Wunder: aus einem der Männer ist eine Frau geworden und beide finden sich als Kabuki-Darsteller in der Edo-Zeit wieder.

Kommentar: Die langsamen Kamerabilder beeindrucken ein ums andere Mal und bilden mit den traditionellen Musiktönen wie mit der angenehmen Erzählstimme von Eva Mattes das Grundgerüst des Films, welches weit über dokumentarische Grenzen hinausgeht und eine fremde Kultur zeigen möchte, die sich über Jahre hinweg zwar entwickelt, aber nicht enorm verändert hat. Es geht um das Schneeland in der Provinz Echigo, wo monatelang der Schnee liegt und die Dörfer von der Außenwelt abgrenzt. Regisseurin Ottinger begibt sich auf die Spuren dieser Welt und vermischt dokumentarischen Stil mit epischer Form zu einem gar nicht so konventionellen Konstrukt, aus der eine visuell ansprechende Reise ins Reich der Mythen und Rituale wird. Ihr gelingt eine wirklich famose Grenzwanderung zwischen zwei unterschiedlichen Stilen und unterstreicht ihr Interesse an der filmischen Auseinandersetzung mit der für viele westlichen Bürger so schwierig zu verstehenden und auch vielfältigen asiatischen Kultur.

6/10

Freitag, 16. September 2011

Le Havre

Le Havre


Finnland/Frankreich/Deutschland, 2011
Genre: Komödie, Drama
Regisseur: Aki Kaurismäki
Darsteller: Andre Wilms, Kati Outinen

Seinen Traum, ein großer Schriftsteller zu sein, hat Marcel schon aufgegeben. Er verdient sein Geld als Schuhpatzer in der Hafenstadt Le Havre. Eines Tages muss seine Frau Arletty ins Krankenhaus. Sie erfährt, dass sie an Krebs leidet, doch sie verschweigt es ihrem Ehemann. Dieser trifft zufällig auf den minderjährigen Idrissa, der ein Flüchtling aus Afrika ist und per Container nach Frankreich gelangte. Idrissa möchte nach London, dort lebt nämlich seine Mutter. Schuhputzer Marcel bietet ihm seine Hilfe an und versucht den Flüchtling besonders vor dem ehrgeizigen, unerschrocken suchenden Kommisar Monet zu schützen.

Kommentar: Nein, ein realistischer Film ist "Le Havre" nicht. Kaurismäki entwarf eine Welt voller guter Menschen, optimistischen Individuen, denen es nicht an Solidaritätsgefühl mangelt, weshalb der Film wohl so endet, wie er enden muss, nämlich mit einem durchsichtigen Happy End. Der artifizielle Charakter des Streifens begründet dann aber auch das höchste Vergnügen. In der Geschichte selbst sucht man vergebens nach der Tiefe, denn ein Blick hinter die Menschen bringt sich nicht als Instrument ein, um irgendeine Basis für's Verstehen und Begreifen zu ermöglichen. Das Absurde spiegelt sich in den Zufällen und ganz besonders im Endteil, wenn alles sich im Guten auflöst und die Probleme scheinbar von alleine verschwinden. Und ein großer Pluspunkt ist natürlich die visuelle Arbeit, die nicht weniger als eine grandiose Fläche für die märchenhaften Gestalten bietet. So etwas will man auf der Leinwand sehen.

7/10