Montag, 31. Oktober 2011

Free Rainer

Free Rainer


Deutschland/Österreich, 2007
Genre: Drama, Komödie
Regisseur: Hans Weingartner
Darsteller: Moritz Bleibtreu, Elsa Sophie Gambard

Rainer ist ein sehr erfolgreicher Fernsehproduzent und verantwortlich für den neuen Quoten-Hit "Hol dir das Superbaby". Eine trashige Sendung, die aber anscheinend viele Zuschauer findet. Eines Tages wird er von einem Auto gerammt und muss ins Krankenhaus. Die den Unfall verursachende Person heißt Pegah und wurde selbst schwer verletzt. Rainer erfährt, dass sie ihn absichtlich rammte, da er mit einem schlecht recherchierten Bericht ihren Großvater in den Selbstmord trieb. Das bewegt ihn schlussendlich dazu, von dem Fernsehprogramm seines Senders Abstand zu nehmen und zu kündigen. Sein Glaube an Qualitätsfernsehen ist stark, also treibt er ein paar Arbeitslose zusammen, um mit ihnen die Quoten zu fälschen und Druck auf die Fernsehproduzenten aufzubauen.

Kommentar: Von der Grundidee ist der Film eigentlich überaus interessant. Doch der Kampf gegen die televisionäre Volksverdummung gestaltet sich mit einer Spielzeit von über 120 Minuten deutlich zu langgezogen. Das signifikante Problem ist aber seine Message, die unvereinbar mit dem ist, was im Film geboten wird. Denn es fehlt hier die Glaubwürdigkeit. Es ist vollkommen widersprüchlich sich gegen Trash, schlechte Unterhaltung und Oberflächlichkeit auszusprechen, jedoch genau dieses im Film anzubieten. Stümperhafte Dialoge, ein übertrieben naives Drehbuch, kein Verständnis für die Realität - so könnte man sich auch auf einige Nachmittagssendungen im Privatfernsehen beziehen. "Free Rainer" fehlt es auch nicht bloß an Mut und Charme, es krankt hier deutlich an einer konsequenten Linie, einer Spur, der der Zuschauer bereit ist zu folgen. Stattdessen versucht er auf schlampige Art und Weise mal ein Gefühl von Melancholie einzufangen, mal auf die Feel-Good-Movie-Schiene zu treten. Irgendwie alles erschreckend dilettantisch.

2/10

Samstag, 29. Oktober 2011

The Face Of Another

The Face Of Another (Tanin no kao)


Japan, 1966
Genre: Drama
Regisseur: Hiroshi Teshigahara
Darsteller: Tatsuya Nakadai, Machiko Kyo

Bei einem Laborunfall wird das Gesicht von Okuyama komplett entstellt. Von seiner Frau fühlt er sich entfremdet und auch mit dem Rest seiner Umwelt fühlt er sich seit der Gesichtsverbrennung nicht mehr verbunden. Doch der Psychiater Dr. Hira schafft es ihm ein künstliches Gesicht zu geben. Der Doktor warnt ihn jedoch aufzupassen, da er glaubt, die "Maske" könnte Gewalt über ihn nehmen und seine Persönlichkeit verändern.

Kommentar: Ein überaus düsteres Drama, das langsam erzählt wird und eine Menge Portion eingeflossener Kreativität enthält. Das Highlight ist sicherlich das surrealistische anmutende Labor des Psychiaters, welches in manchen Phasen nicht einmal wie von dieser Welt aussieht. Und auch sonst reagiert kein technisches Unvermögen, was die Inszenierung angeht. Ein prägnantes Ausdrucksmittel ist hierbei der plötzliche Wegfall der Hintergrundgeräusche und die darauf aufbauenden stillen Minuten, die als Zentrum für Diskussionen dienen. Inhaltlich sieht es jedoch blasser aus, so richtig startet der Film eigentlich erst zum Ende durch. Gerade der Anfang läuft sehr schleppend voran und die moralischen Fragen schwirren zwar deutlich während der gesamten Länge umher, adäquat aufgegriffen werden sie jedoch nur kurz.

5/10

Freitag, 28. Oktober 2011

Blutspur im Park

Blutspur im Park (Una farfalla con le ali insanguinate)


Italien, 1971
Genre: Thriller, Drama
Regisseur: Duccio Tessari
Darsteller: Helmut Berger, Giancarlo Sbragia

Eine junge Frau wird ermordet in einem Stadtpark aufgefunden und der Mörder noch am Tatort gesehen. Alessandro Marchi, ein Fernsehreporter wird vom Gericht für schuldig befunden. Doch schon nach kurzer Zeit kommt es zu einem weiteren blutigen Mord. Aufgrund von stichhaltigen Hinweisen ist sich die Polizei sicher, dass der erste und der zweite Mord von ein und derselben Person verübt wurden. Alessandro Marchi wird nach kurzer Haftzeit also wieder freigelassen.

Kommentar: Ein äußerst durchdachter Thriller, der in seinen besten Momenten, beispielsweise dem Schluss, einprägsame und stilsichere Darbietungen vorweist. Die Grenzen eines traditionellen Kriminalfilms werden verweigert. So fährt er nach der Hälfte der Spielzeit mit der ansosten sukzessiv steigenden Spannungskurve etwas runter und versucht sich als Psychodrama. Was die blutigen Aufnahmen angeht, war man sehr sparsam und behielt die Konzentration auf das Innenleben der Figuren. Mehr noch als durch sein echtes Interesse an den Charakteren verdient sich "Blutspur im Park" Pluspunkte mit der musikalischen Untermalung, die zwar manchmal reichlich überbordend klingt, in den meisten Szenen allerdings zur nötigen Unterstreichung der dichten Atmosphäre beiträgt.

5/10

Ex Drummer

Ex Drummer


Belgien, 2007
Genre: Drama
Regisseur: Koen Mortier
Darsteller: Dries Van Hegen, Norman Baert

Dries ist ein Schriftsteller, er ist erfolgreich, lebt in einer schönen Wohnung und hat eine attraktive Frau. Eines Tages kommen drei Typen zu ihm, die ihn fragen, inwieweit er Lust hätte in ihrer Band als Schlagzeuger mitzuspielen. Nach kurzer Überlegung gefällt Dries die Idee und er verabredet sich mit der Gruppe zum nächsten Tag. Ihm ist bewusst, dass die Mitglieder der Gruppe in ganz anderen Verhältnissen leben und zum sozialen Bodensatz der Gesellschaft gehören - aber genau hier sieht er den Schlüssel, der ihm den Zugang zu einer anderen Welt verschafft. Verlieren kann er schließlich nicht viel, denn er kann immer aussteigen und vollends in seine heile Welt zurückkehren.

Kommentar: Wie weit Hochnäsigkeit gehen und mit welcher brutalen Kraft man seine Selbstsicheit zeigen kann, stellt "Ex Drummer" auf verblüffende Art und Weise zur Schau und begibt sich nie in Deckung, sondern holt alles raus, was rauszuholen ist. Selbst die skurrilsten und ekelhaftesten Szenen scheinen irgendeine Bedeutung zu haben. An Lärm, Dreck und Gewalt fehlt hier nichts; das gezeigte soziale Elend ist für den Zuschauer so greifbar ungreifbar, wie es für den Hauptcharakter Dries ist, der, je länger das Band-Projekt dauert, immer mehr Spaß daran findet, zwischen seiner, für ihn nachvollziehbaren heilen Welt und dem Milieu der gescheiterten Existenzen hin und her zu springen. Dieser Film ist nicht einfach nur kontrovers, nicht bloß wegen der konsequenten Darstellung von idiotischer Brutalität so reizvoll, sondern weil es ihm an Anspruch nicht mangelt, weder inhaltlich noch formal. Es ist eigentlich kein schnell konsumierbares Produkt, dass gesehen, gehört und erfahren werden will. Der sensationsgeile Zuschauer tut nur so, als ob.

7/10

Samstag, 22. Oktober 2011

Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber

Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber (The Cook the Thief His Wife & Her Lover)


UK/Frankreich, 1989
Genre: Drama
Regisseur: Peter Greenaway
Darsteller: Michael Gambon, Helen Mirren

Jeden Abend besucht der stämmige Albert Spica mit seiner Frau und einigen Kollegen das Restaurant "Le Hollandais". Und jeden Abend schreit er die Gäste und die Mitarbeiter des Restaurants an, wird auch mal gewalttätig und zeichnet sich allgemein vor allem durch seine Respektlosigkeit aus. Als er rausfindet, dass seine Frau Georgina ihn betrügt und es hinter seinem Rücken mit einem Restaurantgast treibt, macht er sich auf die Suche nach ihr und ihrem Liebhaber, wobei er keine Kompromisse eingeht und sogar ein Kind wegen ein paar Informationen terrorisiert.

Kommentar: Greenaway verlegt den Kampf gegen Despotismus in ein Restaurant, das gefüllt ist mit dem unterworfenen Volk, den durch Konsumterror gesättigten Menschen. Während vor dem Restaurant hungernde Hunde auf der Straße herumlungern, verfault Fleisch in den nahe stehenden Transportwagen. Eines klagt der Film immer wieder an: die sinnlose Verschwendung. Gerade das kannibalische Finale macht darauf aufmerksam, wie wahnsinnig der hemmungslose Verbrauch wirklich ist. Zwar dauert der Film fast zwei Stunden, doch aufgrund der gnadenlosen Flut von spannenden Ereignissen, die man sehr distanziert und wenig emotional wahrnimmt, ist er an keiner Stelle zu lang. Die Filmmusik ist durchgehend atemberaubend und harmoniert majestätisch mit ebensolcher Bildkomposition, was dieser Groteske eine noch viel eigenwilligere Note verleiht. "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber" ist ein erstklassiges Stück über Machtbesitz, Sex, Essen und Maßlosigkeit, immer umgeben von Ekel und Zorn.

8/10

Kto ya?

Kto ya?


Russland, 2010
Genre: Drama, Thriller
Regisseur: Klim Shipenko
Darsteller: Aleksandr Yatsenko, Anatoliy Belyy

Ein junger Mann, Mitte 20, wird eines morgens von der Polizei auf dem Bahnhof in der kleinen ukrainischen Stadt Sevastopol entdeckt und gibt an, nichts mehr über sich zu wissen. Der zuständige Detektiv Shumov lässt nach kurzer, ergebnisloser Befragung einen Spezialisten für Amnesie kommen. Doch auch dieser kriegt aus dem Mann keine wichtigen Informationen heraus. Die einzigen Anhaltspunkte finden sich in der Jacke des Identitätslosen: Konzertkarten und eine große Summe an Bargeld.

Kommentar: Im langsamen Tempo versunkener, klug konstruierter Krimithriller, der es auf Spannung und Geduldshaltung abgesehen hat. Atmosphärisch bricht er wegen seiner Zeitsprünge aus der kammerspielartigen Sphäre immer wieder heraus und bleibt dadurch ungemein vielseitig wie berauschend. Außerdem liegt es dem Film fern, keine Manipulationen zu betreiben. Sympathisiert man anfangs noch mit dem an Amnesie leidenden jungen Mann, kippen diese zugungsten des Detektivs Shumov, dem die präsentierte Erzählung nicht ganz hasenrein vorkommt. Die Auflösung der ganzen Geschichte gelingt auf visueller Ebene übrigens bravourös, da man sich der Videoclip-Ästhetik bediente, die ich bisher selten so gut verwendet zu Gesicht bekam.

5/10

Freitag, 21. Oktober 2011

Die toten Augen des Dr. Dracula

Die toten Augen des Dr. Dracula (Operazione Paura)



Italien, 1966
Genre: Horror, Thriller
Regisseur: Mario Bava
Darsteller: Giacomo Rossi-Stuart, Erika Blanc

In einem abgelegenen Dorf gehen mysteriöse Dinge vor sich und die abergläubischen Bewohner leben in Angst. Als ein Mädchen sich umbringt, sieht der Inspektor keine andere Wahl und lässt den jungen Arzt Dr. Eswai kommen, obwohl die Dorfbewohner auf Fremde nicht gut zu sprechen sind. Er soll eine Autopsie durchführen und Licht in den Todesfall bringen. Bei der Untersuchung der Leiche lernt Eswai Monica kennen, die ihm von einer alten, düsteren Dorflegende erzählt.

Kommentar: Ich setze mich ab und an für deutsche Verleihtitel ein, weil sie eben ab und an - zumindest was Genrefilme betrifft - besser sind als die Originaltitel. Aber im vorliegenden Fall weiß ich auch nicht mehr weiter. Denn viel krasser kann man mit einem Titel eigentlich gar nicht mehr daneben liegen. Das Original bedeutet übersetzt Operation Angst und beschreibt passend sowohl die Stimmung des Films wie auch die Idee des Regisseurs. Leider vermag Bava keine Angstgefühle zu erzeugen. Die inflationäre Verwendung dramatisch klingender Musik zur Intensivierung bedrohlicher Szenen ist ein gewaltiger Ausdruck fehlender Inspiration und entlarvt den Film konsequent als Möchtegern-Gruselkino. Als grusel-dich-oder-stirb-Kino. Glücklichweise kann Brava trotz dieser Neigung zur Penetranz doch noch etwas bieten. So ist die Einführung in das kleine, abgelegene Dorf, welche der Zuschauer mit der Hauptperson Dr. Eswai erlebt, besonders aufregend und von der Spielzeit auch gar nicht so kurz geraten. Die visualle Arbeit verbuche ich ebenfalls auf der Habenseite, freue mich noch über die "Vertigo"-Anleihen und den kleinen Schwenk zum Surrealistischen in der letzten halben Stunde.

4/10

Gromozeka

Gromozeka


Russland, 2011
Genre: Drama, Komödie
Regisseur: Vladimir Kott
Darsteller: Nikolay Dobrynin, Boris Kamorzin

Drei Männer mittleren Lebensalters, die sich seit der Kindheit kennen, treffen sich regelmäßig in der Sauna, um gemeinsam Zeit zu verbringen. Ansonsten haben sie nichts mehr miteinander zu tun. Wortkarg sind ihre Unterhaltungen, denn jeder möchte den Schein aufrechterhalten, er hätte keine Schwierigkeiten und alles sei in bester Ordnung. Die Wirklichkeit der Männer sieht aber anders aus: Chirurg Eduard möchte sich so schnell wie möglich von seiner Ehefrau lösen und ist außerdem totkrank. Taxifahrer Mozerov verzweifelt an seiner Tochter, da sie eine Pornodarstellerin ist und Polizist Vasya kämpft um seine Noch-Ehefrau.

Kommentar: Wie schwer es wirklich ist, eine gute Tragikomödie zu drehen, zeigt "Gromozeka" vorbildlich. Denn leider ist hier die Komik schon im Bereich des Lächerlichen. Gleich neben der Bezeichnung lächerlich, steht auch unlustig, da die Schicksale, deren Zeuge man wird, einfach zu schwer wiegen, als dass man viele Gründe zum Lachen hätte. Und weil den Hauptpersonen zumeist auch selbstkarikierende Züge fehlen, beginnen die Witze zu nerven und mehr als einer kurzen peinlichen Berührung vermag man darauf auch keine Reaktion zu zeigen. Dafür gefällt das düstere Gesellschaftsbild, das von männlichen Verlierern im modernen Russland erzählt. Allerdings ist diese Erzählung sehr anstrengend und wenig pointiert. In einer Art Episodendrama stellt der Regisseur Vladimir Kott drei Schicksale nebeneinander, bettet sie aber nicht in einen größeren Zusammenhang, sondern lässt sie lose in ihren eigenen Welten verweilen.

3/10

Mittwoch, 19. Oktober 2011

16 Uhr 50 ab Paddington

16 Uhr 50 ab Paddington (Murder She Said)


GB, 1961
Genre: Krimi, Komödie
Regisseur: George Pollock
Darsteller: Margaret Rutherford, Stringer Davis

Als Miss Marple in einem Zug sitzt und ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Lesen von Kriminalromanen, nachgeht, sieht sie den auf dem Nebengleis fahrenden Zug vorbeifahren. Interessiert schaut sie sich die Insassen an und wird plötzlich Zeuge, wie in einem Abteil eine junge Frau von einem Mann zu Tode gewürgt wird. Das schildert sie der Polizei, doch die glaubt, dass Miss Marple durch zu viele Romane wohl zu viel Fantasie habe und alles nur eine Einbildung gewesen ist. Doch so leicht lässt sich Miss Jane Marple nicht abschütteln - und so versucht sie sich als Hobbydetektivin.

Kommentar: Vielleicht hat der Humor in diesem Film schon sein Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten, denn lustig fand ich das keinesfalls, auch wenn ich immer eine Vorstellung davon hatte, wo die vermeintlichen Lacher platziert waren. Vielleicht ist das einfach nur nicht meine Art von Humor. Selbst diese alte schrullige Hobbydetektivin im Großmutterformat überzeugt mich weder mit tiefsinnigem Charakter noch sehe ich da eine Schauspielerin, die voll und ganz in ihrer Rolle aufgeht. Da der Film sich der klassischen Wer-hat-es-getan-Logik unterwirft, befördert er sich durch seine immense Vorhersehbarkeit selbst automatisch ins Abseits. Und schon den Grundgedanken, dass eine Frau im Rentenalter, die zu viele Krimalromane gelesen hat, ja scheinbar jeden Kriminalroman auswendig weiß, selbst erfolgreich auf Mörderjagd geht - diesen Gedanken finde ich nicht charmant und nicht komisch - sondern abstrus!

3/10

Sonntag, 16. Oktober 2011

Erzählung von den späten Chrysanthemen

Erzählung von den späten Chrysanthemen (Zangiku monogatari)



Japan, 1939
Genre: Drama
Regisseur: Kenji Mizoguchi
Darsteller: Shotaro Hanayagi, Kokichi Takada

Kikunosuke Onoue, der Adoptivsohn eines bekannten Kabukispielers, ist ein ziemlich schlechter Theaterdarsteller. Doch wegen seines berühmten Familiennamens und dem Ansehen des Vaters bekommt er von allen Seiten Lob für seine Auftritte. Nur die junge Frau Otoku, die Amme im Hause Onoue, macht ihn auf seine Schwächen aufmerksam, wodurch sie Kikunosuke's Interesse weckt, da er von ihrer offenen Kritik imponiert ist. Aufgrund dieser Offenheit, aber vor allem wegen ihrer engen Beziehung zum Adoptivsohn wird sie etwas später jedoch entlassen. Kikunosuke kann es nicht fassen, dass man ihm den Umgang mit Otoku verbietet und verlässt Tokio und damit das Elternhaus, um seine Fahigkeiten im Schauspiel zu verbessern, aber auch um mit Otoku zusammen zu sein.

Kommentar: Es geht weniger um die männliche Figur Kikunosuke Onoue, der von einem luxuriösen Leben ins Elend marschiert, triumphierend aufsteht und zum Luxus wieder zürückkehrt und die öffentliche Aufmerksamkeit erlangt. Vielmehr wirft die Geschichte einen Blick auf die Partnerin Otoku, die im Zug ihrer Liebe zu Kikunosuke jedes Leid auf sich nimmt und für das Wohl ihres Partners ihre eigenen Bedürfnisse nach hinten stellt. Ihr Einfluss auf Kikonosuke's Erfolg ist enorm, was später selbst von Vater Onoue honoriert wird, der in der Beziehung einige Jahre zuvor nichts weiter als einen Riesenskandal sah, da er fürchtete, dass eine Heirat zwischen seinem Adoptivsohn und einer einfachen Amme einen gesellschaftlichem Bruch darstellen würde. Somit ist die Anerkennung des Vaters eine Schlüsselgeste, die zum Bestandteil der gesellschaftskritischen Message des Films dazugehört. Leider rutscht der japanische Streifen, je näher er dem Ende kommt, in leicht unglaubwürdige Gefilde ab, konzentriert sich aber dennoch stärker denn je auf die kritischen emotionalen Phasen beider Hauptfiguren. Besondere Beachtung verdient jedoch der Aufnahmestil des japanischen Regisseurs. Diese unvergleichlich zarten Kamerafahrten zieht Mizoguchi mit aller Konsequenz durch - wenn er sie überhaupt anwendet, denn meistens bleibt die Kamera still, wartend auf eine neue Anweisung, die oft lange auf sich warten lässt und beobachtet mit dem scharfen Blick die Figuren, besessen und fasziniert von ihren Interaktionen. Und der Überzeugung, dass nichts spannender ist, als die Beobachtung des Menschen und seiner Umwelt.

6/10

Samstag, 15. Oktober 2011

Der aus dem Regen kam

Der aus dem Regen kam (Le passenger de la pluie)


Frankreich/Italien, 1969
Genre: Thriller
Regisseur: Rene Clement
Darsteller: Marlene Jobert, Charles Bronson

Nachdem Mellie ihren Vergewaltiger mithilfe zweier Schrotpatronen ins Jenseits befördert, versteckt sie die Leiche und trifft sich mit ihrem Mann Tony, der als Pilot mal wieder einige Zeit von zu Hause weg war. Aber Mellie redet weder mit der Polizei noch mit ihrem Mann über die Vergewaltigung. Sie verleugnet den Mord auch vor dem mysteriösen und fremden Dobbs, der nicht nur den Tathergang genau zu wissen scheint, sondern ebenfalls über den Vergewaltiger viel Bescheid weiß. Dobb verspricht Mellie in Ruhe zu lassen, wenn er die Sporttasche bekommt, die der Vergewaltiger bei sich hatte.

Kommentar: Naive Frau trifft auf gerissenen Mann - und das Spiel beginnt. Könnte man meinen, aber die vergewaltigte Mellie ist immer intelligenter als es den Anschein hat. Gerade dieser Aspekt des energischen Psychoduells ist eindrucksvoll und charakterisiert bis zum Ende Mellie's Kampf gegen die Dominanz der Männer. Doch Schwächen im Drehbuch wie auch bei der Zusammenstellung des Soundtracks bleiben ebenfalls im Kopf. Außerdem ist der Film deutlich zu lang geworden. Fast 120 Minuten muss man sich nehmen und wird auch noch mit Längen bestraft, die besonders dann deutlich sind, wenn zarte Annäherungsversuche zwischen den Duellanten stattfinden. Die fügen sich nicht so recht in die Geschichte und haben für die Entwicklung der Charaktere sowiese wenig Bedeutung.

4/10

Alles tanzt nach meiner Pfeife

Alles tanzt nach meiner Pfeife (L'Homme Orchestre)


Frankreich/Italien, 1970
Genre: Komödie
Regisseur: Serge Korber
Darsteller: Louis De Funes, Olivier De Funes

Evan Evans ist eine berühmte Frauen-Tanzgruppe. Ihr Manager ist der strenge Manager Monsieur Balduin, der von den jungen Frauen sexuelle Enthaltsamkeit und Top-Aussehen verlangt. Als eine Tänzerin ihm beichtet, heiraten zu wollen, fasst er den Entschluss sie zu entlassen und zu ersetzen. Doch auch die neue Performance-Künstlerin hat etwas, wovon der herrschsüchtige Balduin nichts weiß.

Kommentar: Die ersten zehn Minuten sind wirklich frische Momente, in denen der Charakter Balduin treffend beschrieben wird. Erstaunlich und unfassbar komisch, wenn Funes mit dem Tonchef um die Wette den Kopf zum musikalischen Rhythmus bewegt. Doch wenn die Handlung einsetzt, verpufft alles Habenswerte. Mitunter ist es sehr anstrengend den Abläufen auf dem Bildschirm zu folgen, dies verdankt man jedoch mehr der kruden Geschichte und nicht den fehlenden Gags. Dennoch war ich überrascht, wie aus einer Story über den hitzköpfigen Tanzdirektor Balduin und seinem Hang zur Objektisierung seiner Mädchen noch eine recht pfiffige Verwechslungskomödie entstehen kann.

3/10

Ploy

Ploy


Thailand, 2007
Genre: Drama
Regisseur: Pen-Ek Ratanaruang
Darsteller: Pornwut Sarasin, Lalita Panyopas

Dang und ihr Ehemann Wit leben in Amerika, kehren jedoch wegen einer bevorstehenden Beerdigung für einige Tage in ihre Heimat Thailand zurück. Sie quartieren in einem Hotel und sind beide ziemlich gestresst vom langen Flug. Wit's Zigaretten sind alle und so verlässt er das Zimmer, um an der Bar sich neue zu besorgen. Dort trifft er die 19-jährige Ploy, die noch einige Stunden auf ihre Mutter warten muss. So kommt Wit die Idee Ploy in dem von ihm und seiner Frau belegten Hotelzimmer schlafen zu lassen.

Kommentar: Es existieren viele Filme über die Liebe, aber wenige sind wirklich so magisch wie beispielsweise "Ploy". Dass es überhaupt eine Magie gibt, hat einen besonderen Grund. Natürlich kann hier mit der Benutzung der pop-ästhetischen Ambient Sounds argumentiert werden, die das räumlich beänstigende, die gesamte surreale Stimmung transportieren. Aber viel faszinierender ist der Ort der Handlung. Es ist das Hotel, welches als Dreh- und Angelpunkt zweier unterschiedlicher Beziehungen fungiert. Einmal ist es die konventionelle Ehebeziehung von Wit und Dang und in anderen Momenten das körperlich betonte, sexuelle Treiben zwischen dem Barkeeper und dem Zimmermädchen des Hotels. Regisseur Ratanaruang stellt durch den parallelen Ablauf der Geschehnisse vor allem die Ehe, die feste Bindung in Frage. Das Ende ist wenig überraschend, sondern eigentlich allzu offensichtlich, wenn Ehemann Wit nach einer halben Stunde Spielzeit der Meinung ist, die Liebe habe immer ein Verfallsdatum.

8/10

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Robot Monster

Robot Monster


USA, 1953
Genre: Sci-Fi (Trash)
Regisseur: Phil Tucker
Darsteller: George Nader, Claudia Barrett

Die außerirdischen Robot Monster haben fast alles Leben auf der Erde ausgelöscht. Nur sechs Personen haben überlebt. Um die muss sich nun Ro-Man kümmern, der die restlichen Menschen mit einer speziellen Strahlenkanone auslöschen soll. Doch die Menschen geben sich nicht so leicht geschlagen und schmieden Pläne, um den Angriffen Ro-Man's zu entkommen. So entwickelt sich ein harter, bahnbrechender Kampf zwischen Mensch und Maschine.

Kommentar: Autsch, ist das gut! Ein affenartiges Monster mit Taucherhelm macht Jagd auf eine Familie, die sich in einer großen Grube versteckt und sich mit einem kleinen elektrischen Draht schützt. Mancher wird sich zum Ende wohl auch an "King Kong und die weiße Frau" erinnert haben, dort weist eine Frau durch ihre Schönheit ebenfalls ein Monster in die Schranken - wenn auch vollkommen unabsichtlich. Aber Vergleichen muss sich "Robot Monster" nicht ausliefern. Es ist viel mehr als ein Monsterfilm. Es ist ein Trash-Original! Archiviertes Filmmaterial (krasse Saurierkämpfe, yo!!!), blöd glotzende Schauspieler, die kein vernünftiger Regisseur in Hollywood je genommen hätte und natürlich die unverschämt miesen Special-Effects kommen in diesem Machwerk köstlich zur Entfaltung. Da bleibt kein Auge trocken.

4/10

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Der Ruhm meines Vaters

Der Ruhm meines Vaters (La gloire de mon pere)


Frankreich, 1990
Genre: Komödie, Drama
Regisseur: Yves Robert
Darsteller: Philippe Caubere, Nathalie Roussel

Für die Sommerferien mieten sich Marcel's Vater Joseph und Onkel Jules ein Ferienhaus in einer ländlichen Gegend. Marcel ist ein aufgeweckter 11-jähriger Junge und entdeckt schon mit Beginn der Reiseankunft seine Liebe für die malerische Landschaft der Provinz. Als sein Vater und sein Onkel auf die Jagd gehen, schleicht er ihnen hinterher und versteckt sich auf Abhängen. Doch irgendwann merkt er, dass er sich verirrt hat. Nur durch einen Zufall kommt er aus seiner misslichen Lage heraus, und nicht nur das: er hält auch plötzlich den Ruhm seines Vaters in den Händen!

Kommentar: Simpler, aber dennoch starker Film über die zarten Berührungen eines Kindes mit der Erwachsenenwelt. Betörende Landschaftsaufnahmen verbildlichen die Anziehungskraft der Natur, die das spielerische Gemüt von dem 11-jährigen Marcel in den Bann reißt. Die Geschichte spielt sich Anfang des 20. Jahrhunderts ab und verdichtet sich mehr und mehr zu einer sympathischen Familienkomödie ohne Niedlichkeitseffekte, Stereotypisierung oder sonstigen haltlosen Eingriffen. Thematisch ist der Film sehr vielfältig gestaltet, bringt aber vor allem eine Sache auf den Punkt: Kinder können nicht ohne Erwachsene und die Erwachsene ebenso nicht ohne ihre Kinder. Da helfen auch die von beiden Lagern gezogenen scheinbaren Grenzen nicht.

6/10

Die Müßiggänger

Die Müßiggänger (I Vitelloni)


Italien, 1953
Genre: Drama, Komödie
Regisseur: Federico Fellini
Darsteller: Franco Interlenghi, Franco Fabrizi

Als der Frauenaufreißer Fausto erfährt, dass seine Freundin Sandra schwanger ist, will er nach Mailand abhauen und sich dort einen Job suchen. Doch sein Vater verbietet ihm das und so heiratet Fausto seine Freundin, die gleichzeitig auch die Schwester seines besten Freundes Moraldo ist. Die beiden gehören zu den sogenannten Vitellonis in ihrer Kleinstadt, den herumtreibenden arbeitslosen jungen Leuten.

Kommentar: "Die Müßiggänger" ist ein überragend tolles Porträt einer kleinbürgerlichen Gesellschaft. Es widmet sich der ewig-menschlichen Themen Hoffnung und Liebe und stellt eine lethargische Männergruppe in den Vordergrund, dessen Mitglieder gegen die Wertvorstellungen ihrer Eltern rebellieren. Fellini gelingt mit Bravour eine bedrückende Stimmung zu erzeugen, die durch satirische Einlagen immer wieder aufgebrochen wird. Überhaupt ist der ständige Wechsel zwischen Heiterkeit und Pessimismus, diese manchmal ungreifbare Atmosphäre, ein Charakterzug des Films. Emotionale Momente vermischen sich mit sachlicher Distanz; Poesie trifft auf Ironie - das ergibt alles zusammen ein amüsantes filmisches Dokument, welches gerade durch diese sonderbare, nicht selten witzige Darstellung autobiografische Züge erkennen lässt. Denn ein Außenstehender hätte das kleinstädtische Alltagsleben einer müßiggängerischen Generation meines Erachtens nach nie in dieser Form darstellen können.

8/10