Montag, 28. November 2011

Der Spiegel

Der Spiegel (Serkalo)


Sowjetunion, 1975
Genre: Drama
Regisseur: Andrei Tarkowski
Darsteller: Margarita Terechowa, Ignat Danilzew

Aleksej will sich von seiner Frau trennen und möchte, dass sein Sohn Ignat bei ihm lebt. Seine Frau besteht jedoch darauf, Ignat selbst zu entscheiden, was mit ihm passiert.

Kommentar: Komplizierte Bilderwelten ohne Ablaufdatum. Tarkowski führt uns in seinen eigenen Kosmos, sein Reich und vergewaltigt dafür die Sehgewohnheiten des Zuschauers. Ein nicht chronologischer, unschlüssiger Ablauf ist schließlich das richtige Mittel für die Vermittlung zu seiner Gedankenwelt. Eine Welt, die vollständig nicht geöffnet werden soll. Es geht in diesem Film um den identitätssuchenden Mann Aleksej, der sich im Strudel der Erinnerungen verliert. Wer er ist, das kann er schwer beantworten. Wir sehen ihn nicht, wir hören ihn nur. In keinem Spiegel der Welt, würde er sein Ich erkennen. Also unternimmt er eine Selbstreflexion und bezieht alle wichtigen Punkte seines Lebens genauso wie seine Erinnerungen an einige weltgeschichtliche Momente mit ein. Er klingt verzweifelt, kriegt die Bilder vom spanischen Bürgerkrieg oder der Atombombe in Hiroshima nicht mehr aus dem Kopf, findet Parallelen zwischen seiner Mutter und seiner Ehefrau und kehrt immer wieder gedanklich zu seiner Kindheit zurück. Herausgekommen ist dabei schlussendlich ein stream of consciousness. Schwer durchdringlich, deswegen faszinierend und erstaunlich geschlossen. Wie in einem Traum wandelt Aleksej durch seine Lebensgeschichte und wirbelt dabei so einiges auf - wie der starke Wind, der die Sträucher und Gräser in mehreren Einstellungen zum Schwingen bringt.

7/10

Samstag, 26. November 2011

Die Welle

Die Welle


Deutschland, 2008
Genre: Drama
Regisseur: Dennis Gansel
Darsteller: Jürgen Vogel, Frederick Lau

Herr Wenger muss mit seinen Schülern in der Projektwoche das Thema "Autokratie" durchkauen. Schnell stellt der Lehrer fest, dass dieses Vorhaben in einer konventionellen Art und Weise niemals bei den Schülern ankommen wird. Zum Glück spielt ihm die Einheitsmeinung seiner Schützlinge in die Hände, die meinen, in Deutschland sei keine Diktatur mehr möglich. Rainer Wenger hält diese Frage für spannend und gibt mit einem Schüler-Experiment während der Projektwoche die Gegenthese dazu.

Kommentar: So misslungen "Die Welle" auch ist, so furchteinflössend ist die Aussage des Films. Hier entwickeln sich nämlich brave Schüler, Streber, Außenseiter, Sportskanonen und hübsche Mädchen binnen weniger Tage zu ernstzunehmenden Faschisten. Angetrieben vom Geist einer eigenen Bewegung, die Erkennungsmerkmale wie Kleidung und Logo besitzt. Warum der Film misslungen ist? Das liegt sicherlich nicht an Jürgen Vogel's Darstellung des etwas anderen Lehrers, der das Klassenzimmer zu seinem Versuchslabor und die Schüler zu seinen Versuchsobjekten macht und später die Kontrolle über sein eigenenes Experiment verliert. Im Rahmen des Drehbuchs spielt Vogel diese Rolle verdammt gut. Viel schwerer wiegen die gezeigten Stereotypen, die man so mindestens schon hundert Mal durch die Filmbilder flitzen sah. Dies und einige gezeigten Freizeittätigkeiten der Jugendlichen machen den Film unglaubwürdig und wenig seriös.

3/10

Mittwoch, 23. November 2011

Hydra - Verschollen in Galaxis 4

Hydra - Verschollen in Galaxis 4 (The Doomsday Machine)



USA, 1972
Genre: Sci-Fi (Trash)
Regisseur: Lee Sholem, Harry Hope
Darsteller: Denny Miller, Grant Williams

Die Welt ist in Gefahr. Die Chinesen sind nämlich dabei eine Wasserstoffbombe zu zünden, die für den ganzen Planeten die totale Zerstörung bedeuten würde. Gleichzeitig startet in den USA eine Crew mit der Rakete Richtung Venus. Das Ziel dieses Flugs: die sechs Personen im Raumschiff sollen verhindern, dass die menschliche Rasse durch eine Explosion auf der Erde ausgelöscht wird. Und die Vorsichtsmaßnahme ist nicht unklug, denn nach nur einigen Stunden im All wird den Raumschiffinsassen klar, dass es die Erde nicht mehr gibt.

Kommentar: Eine richtige Trash-Perle ist "Hydra - Verschollen in Galaxis 4" bestimmt nicht, dieser Film ist jedoch zweifellos bescheurt und kann sich in Sachen Spannung nicht mal im Ansatz an den Zuschauer heranpirschen. Schon blöd, wie dilletantisch die Schauspieler in ihrem kleinen kunterbunten Raumschiff agieren. Natürlich fehlen bei diesem Machwerk auch nicht die Haufen von übernommenen Szenen aus ähnlichen Filmen. Und dann wird man als Sichter auch noch mithilfe einiger Ungereimtheiten verblödet oder erfreut (wie man es halt nimmt). Insofern: Wessen Herz für den schlechten Geschmack schlägt, der wird die letzten 25 Minuten lieben. Auffällig und interessant, wenn auch unabsichtlich billig, ist das offene Ende.

5/10

Samstag, 19. November 2011

Import Export

Import Export


Österreich, 2007
Genre: Drama
Regisseur: Ulrich Seidl
Darsteller: Ekateryna Rak, Paul Hofmann

Nachdem Olgas Arbeitgeber wieder als Monatslohn für ihren Job als Krankenschwester nur ein Teilbetrag auszahlt, versucht sie sich im pornografischen Bereich. Doch auch das ist keine ernsthafte Lösung, also beschließt sie nach Österreich zu gehen, wo auch eine Freundin von ihr arbeitet. Zur gleichen Zeit hat Paul, ein Arbeitsloser aus Wien, riesige Geldprobleme und Schulden. Besonders viel Geld schuldet er seinem Stiefvater. Mit ihm macht er sich auf die Reise, um in Osteuropa Spielautomaten aufzustellen.

Kommentar: Seidls aufregender Film kann als Studie über menschliche Bedürfnisse in persönlichen Krisenzeiten verstanden werden. Die beiden Hauptprotagonisten verbindet nämlich die Sehnsucht nach Liebe und Menschlichkeit. Nach Verständnis und Anerkennung. Das Sozialdrama ist bedrückend und nicht selten schmerzhaft. Es zeigt die gesellschaftlichen Unterschiede in dem immer noch stark heterogenen Europa und die Abgründe, die sich auftun, wenn man genau hinschaut und nicht die Augen verschließt. Nebenbei besitzt der Film auch eine stark dokumentarische Wirkung, was einerseits an der nüchternen Inszenierung liegt, andererseits am Thema selbst und natürlich auch, weil er episodenhaft erzählt wird. Aber die Kombination von Fiktion und Dokumentation funktioniert bestens, allerdings fallen bei einer Dauer von über zwei Stunden einige Längen auf.

5/10

Montag, 14. November 2011

G.O.R.A.

G.O.R.A.


Türkei, 2004
Genre: Komödie, Sci-Fi, Trash
Regisseur: Ömer Faruk Sorak
Darsteller: Cem Yilmaz, Rasim Oztekin

Teppichhändler Arif stellt einem ausländischen Kunden seine Produkte vor. Von einer auf die andere Sekunde befindet er sich jedoch auf einem Raumschiff. Er findet heraus, dass er von Außerirdischen des Planeten G.O.R.A. entführt wurde. Diese haben nämlich vor, alle Menschen zu versklaven. Arif kann seine Gefangenschaft nicht akzeptieren und will so schnell wie möglich fliehen. Doch sein Freund Bob Marley Faruk hält die Idee für schwachsinnig. Zuerst sieht es tatsächlich danach aus, als ob Faruk mit seiner Meinung recht hat. Dann aber droht ein Meteorit den Planeten G.O.R.A. zu zerstören.

Kommentar: Eine Sci-Fi Parodie aus der Türkei. Wie herrlich, wie anstrengend. Wer Klamauk auf niedrigem Niveau erwartet, kommt bei diesem Film auf seine Kosten. Über zwei Stunden lang versucht man sich an Hollywood-Klassikern, man veralbert sie, mal mehr, mal weniger gut. Leider gerät "G.O.R.A." in der zweiten Hälfte in Kopierwahn, denn wo vorher noch gewisser Charme und klein wenig Eigenständigkeit dem schlechten Geschmack sowas wie einen Charakter verliehen, bricht der Film später total ein und wirkt so, als hätte man sich bei vielen Klamauk-Streifen unmotiviert bedient. Manchmal ist die Lächerlichkeit, an wenigen Stellen im Film versteht sich, aber bombastisch. Nur verdammt schade, dass er so unnötig lang ist.

2/10

Samstag, 12. November 2011

Gegen die Wand

Gegen die Wand


Deutschland/Türkei, 2004
Genre: Drama
Regisseur: Fatih Akin
Darsteller: Birol Ünel, Sibel Kekili

Weil Sibel, eine jünge Türkin, ihrem Leben in der Familie entkommen will, überredet sie den Alkoholiker Cahit sie zu heiraten. Dieser willigt nach heftigen Diskussionen ein. Doch Sibel's Unabhängigkeitsdrang bringt viele Schwierigkeiten mit sich. Nicht nur für sie, sondern auch für Cahit. Für den die Beziehung zuerst zwar nichts weiter als eine bloße Scheinehe ist, später aber, da er sich in sie verliebt, ein lebensrettendes Geschenk darstellt.

Kommentar: In diesem Liebesdrama erfährt man wahrscheinlich wirklich, was es heißt zwischen zwei verschiedenen Welten zu leben. Die Probleme, die sich aus der Identitätsunsicherheit ergeben können, zeigt Herr Akin schonungslos. Es geht ihm nicht darum, den Betrachter zu umarmen, ihm eine nette, kleine Geschichte zu erzählen, sondern kulturelle Differenzen näher zu bringen, sie auszuleuchten und so real wie möglich erscheinen zu lassen. Insbesondere der Schauspieler Birol Ünel überzeugt in der Rolle eines längst seelenlosen Wesens, das durch die Kraft der Liebe wieder an den Ort der Lebenden zurückbefördert wird. In packenden, elektrisierenden, hektischen und manchmal sogar spannenden Szenen wird das Milieu der türkischen Menschen in Deutschland untersucht und dabei bewusst einige Fragen offen gelassen, die jeder für sich selbst beantworten muss.

6/10

Freitag, 11. November 2011

Der Mann aus London

Der Mann aus London (A Londoni Férfi)


Ungarn/Frankreich/Deutschland, 2007
Genre: Drama
Regisseur: Bela Tarr
Darsteller: Miroslav Krobot, Tilda Swinton

Maloin arbeitet am Hafen als Gleisrangierer. Er arbeitet, wenn die meisten Leute schlafen und ist immer alleine in seiner Kabine. Auch sonst führt er eher ein tristes Leben mit seiner Frau und seiner Tochter. Eines Nachts wird er jedoch Zeuge eines Mordes und zusätzlich will der Zufall es ebenfalls, dass er durch einen Koffer an sehr viel Geld kommt. Doch was ein Segen sein sollte, wird für ihn zu einem Fluch. Er fühlt sich verfolgt und bekommt mit, wie die Polizei im Mordfall vorwärts kommt.

Kommentar: Kunstkino muss schwierig sein. Es muss Dinge versperren, es muss den Konsumenten aktivieren und ihn fordern. Bela Tarr verlangt in den knapp 140 Minuten schon einiges ab. In einem Mix aus Kriminalfilm, Drama und Thriller erzählt er die Geschichte eines Mannes, der sich in einem inneren Konflikt befindet. Der nicht weiß, was richtig und was falsch ist. Der nichts ausspricht und trotzdem durch seine Mimik Hilfeschreie ausstößt. Die Erzählgeschwindigkeit von "Der Mann aus London" ist extrem langsam, absichtlich dehnt der Regisseur die Handlung aus, weckt Erwartungen, die, weil der Film minimal sein möchte, aber nie erfüllt werden können. Ein charakteristisches Merkmal ist natürlich die Fülle an Plansequenzen. Und in diesem Punkt mach Tarr keine Kompromisse, sondern hält drauf, lässt die Kamera gleiten, damit wir erleben.

5/10

Sonntag, 6. November 2011

Kinder des Himmels (DVD-Kritik)

Kinder des Himmels (Bacheha-Ye aseman)


Iran, 1997
Genre: Drama
Regisseur: Majid Majidi
Darsteller: Amir Farrokh Hashemian, Bahare Seddiqi

Der neunjährige Ali holt für seine Schwester die Schuhe ab und steckt sie in eine schwarze Tüte. Auf dem Weg nach Hause kommt er noch an einem kleinen Lebensmittelstand vorbei und lässt - bevor er hereingeht, um paar Kartoffeln mitzunehmen -, die schwarze Tüte zwischen ein paar Obstkisten liegen. Als er bemerkt, dass die Tüte nicht mehr da ist, rennt er nach Hause und beichtet seiner Schwester den Vorfall. Gleichzeitig bittet er sie darum, den Eltern nichts davon zu erzählen, weil der Vater kein Geld für neue Schuhe übrig hätte und sie beide nur verprügeln würde. Seine Schwester Zahra fragt ihn jedoch, wie sie am nächsten Tag ohne Schuhe zur Schule gehen soll. Ali findet für dieses Problem zwar eine Lösung, doch die Umsetzung der Idee gestaltet sich schwierig.

Kommentar: Majidi's beliebter Film entführt den Zuschauer in die schmalen Gassen eines Teheraner Armutsviertels. Die Welt von Ali und seiner Schwester Zahra ist kein heiles Paradies, doch ihre Welt ist voll mit bescheidenen und herzensguten Menschen. Das stellt Majidi immer wieder in den Vordergrund und bedient sich nicht drastischen Darstellungen. Die kahlen Wege, die kleinen Wohnbauten und natürlich die unübersehbare Armut von Ali's Familie reichen schon aus, um zu erläutern in welcher Umgebung manche Kinder in Iran aufwachsen müssen. Neben dem sozialen Aspekt ist noch der humane ein ganz bedeutender. Wie die Kinder sich unterhalten, welche Ernsthaftigkeit sie einbringen, mit wie viel Willen sie ihre missliche Lage durchstehen. Denn Ali verschweigt seinen Eltern die Sache mit den verlorengegangenen Schuhe nicht nur weil er Angst vor Prügel hat, sondern um Vater und Mutter weitere Sorgen zu ersparen, da sie schließlich genug mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Diese Akzeptanz der wirtschaftlichen Situation führt daher dazu, dass Ali und Zahra sich jeden Tag die Schuhe für die Schule untereinander tauschen müssen. Andere Mittel sehen sie nicht, erst später offenbart sich ein Ausweg aus den unglücklichen Umständen.

Es ist alles in allem ein besonderer Kinderfilm, der auch Werte wie Ehrlichkeit und Vertrauen vermittelt. Dass die beiden Kindercharaktere von Laiendarstellern gespielt werden, tut absolut keinen Abbruch, sondern macht die tragische wie rührende Geschichte noch viel authentischer. Eine sozial schwierige Situation aus der Perspektive der Kinder zu filmen bedeutet vielleicht eben auch naive Töne anzuschlagen und den Realismus nach hinten zustellen. Das schafft "Kinder des Himmels" grandios und fasziniert durch eine beeindruckende Filmsprache.

Zur DVD: Die DVD von Arthaus enthält leider kein Making-Of. Dafür viele andere Features wie eine coole Fotogalerie und ein Presseheft. Das Highlight sind jedoch die Produktionsnotizen, die Auskunft über die Entstehung des Films geben und informieren darüber, welche Anfangsschwierigkeiten damit zusammenhingen. Eine Biografie des im Iran wie auch im Ausland beliebten Regisseurs Majid Majidi gibt es natürlich auch. Außerdem sind noch Zusatzbemerkungen von ihm enthalten, wo er sich im Besonderen über die Darsteller äußert.

7/10

DVD: 6/10

Samstag, 5. November 2011

Devi

Devi (The Goddess)


Indien, 1960
Genre: Drama
Regisseur: Satyajit Ray
Darsteller: Sharmila Tagora, Chhabi Biswas

Eines Nachts hat der strenggläubige Kalikinkar Roy eine Vision in Form eines Traums. Er glaubt, dass seine Schwiegertochter Doyamoyee die Inkarnation der Göttin Kali ist und verehrt sie von nun an. Verschiedene Zeremonien, an denen eine große Menge von Menschen teilnimmt, werden für Doyamoee veranstaltet. Als Doya's Mann Um von der Collegeprüfung aus Kalkutta zurückkehrt, kann er kaum seinen Augen trauen. Sofort sucht er das Gespräch mit seinem Vater Roy, dem er in keinster Weise mit Respekt für die abergläubische Haltung begegnet. Um schleicht sich in der darauffolgenden Nacht in das Zimmer seiner Ehefrau und bittet sie mit ihm zu fliehen.

Kommentar: Der Film spielt um das Jahr 1860 herum und wagt einen kritischen Blick auf die religiöse Besessenheit des Landes Indien. Allerdings liegt es Regisseur Ray fern, seine Figuren ins Lächerliche zu ziehen. Es geht ihm viel mehr darum, Ursache und Wirkung aufzuzeigen und damit den Weg der Idolisierung zu beleuchten. Das unterkühlte Schauspiel sorgt für die nötige Distanz, trotzdem gelingt es durch eine tolle Bildersprache den Zuschauer auf eine emotionale Ebene zu bringen, was wichtig ist, um das Leid von Doyamoee, der angebetenen "Göttin", nachzuempfinden. Denn "Devi" prüft ebenso die Rolle von Doyamoee - einer junge Frau, die zur Wiedergeburt der Kali popularisiert wird und fortan keine Freiheiten mehr besitzt. Tragisch wird die Geschichte aber erst dann, als Zweifel an Doya's Göttlichkeit kommen und sie sogar umgebracht werden soll.

7/10

Ferien in der Silberbay

Ferien in der Silberbay (Vacanze alla baia d´argento)


Italien, 1961
Genre: Komödie
Regisseur: Filippo W. Ratti
Darsteller: Mario Caratenuto, Laura Solari

Das Ehepaar Morricone streitet sich mal wieder. Kein Wunder, wirtschaftlich schlechte Zeiten machen Menschen nervöser und die Morricones sind hochverschuldet. Ihren einzigen Ausweg aus den Schulden sehen sie in ihrer Tochter Rossella, die immer noch unverheiratet ist. Also geht es mit Rossella an den Strand, in der Hoffnung, dass sie sich einen Mann mit Vermögen angelt. Und tatsächlich passiert es, Rossella lernt den Sohn eines Baronen kennen.

Kommentar: Sonderbar unkomische Vorstellung, die weder Witz noch Charme besitzt, jedoch komisch sein möchte. Bemüht sieht das aus, mitreißend aber nie. Das Schräge an "Ferien in der Silberbay" ist die Handlungsweise sowohl von der Familie Morricone als auch von dem Baron, die beide materialistisch gesinnt sind. Das kann man noch komisch finden, wenn man will. Die Nebengeschichten überbieten die Inspirationslosigkeit der Haupthandlung um Rossella aber noch um einiges. Müll, müll, Sondermüll!

1/10

Blind Beast

Blind Beast (Moju)


Japan, 1969
Genre: Drama, Erotik
Regisseur: Yasuzo Masumura
Darsteller: Eiji Funakoshi, Mako Midori

Das attraktive Aktmodel Aki ruft eines Abends einen Masseur ins Haus, der ihren verspannten Körper wieder auf Vordermann bringen soll. Doch der Masseur entpuppt sich als ein blinder Möchtegernkünstler, der sie mithilfe seiner Mutter entführt. Als Aki nach der Entführung wieder aufwacht, befindet sie sich in seinem seltsamen Raum voller Skulpturen von Armen, Beinen, Riesenaugen an den Wänden sowie einem Riesenfrauenkörper im Zentrum. Der blinde Künstler hat alle Skulpturen durch seinen Tastsinn erschaffen und nun soll die schöne Aki, deren Körper er perfekt findet, seine ultimative künstlerische Arbeit werden. Sie darf nicht gehen, bis er mit seinem Kunstwerk fertig ist.

Kommentar: "Blind Beast" konzentriert sich auf das Wesentlichste. Keine schnick-schnackige Handlung, keine Nebenplots und nur wenige Drehorte. Nach nicht einmal 90 Minuten erzählt der Film alles, für was andere die doppelte Zeit bräuchten. Das ist insbesondere im letzten Drittel ersichtlich, da dort die Handlungen der Figuren schwer nachvollziehbar sind. Aber bis dahin ist der Streifen physisch wie auch psychisch spürbar und überrascht sogar einige Male. Die Figur der Aki, des Aktmodels, welches entführt wird, ist vor allem sehr spannend geraten. Sie findet sich recht schnell in der Umgebung wieder und versteht sofort, dass zwischen Sohn und Mutter eine sonderbare Beziehung herrscht, welche sie zu ihrem Vorteil nutzen kann. Dennoch überkommt sie seit ihrer Ankunft im gruseligen Atelier - trotz der cleveren psychischen Manipulation von Mutter und Sohn - eine Faszination für die Welt des blinden Künstlers, dem sie sich im Verlauf der Geschichte ja auch sichtbarer hingibt. Eine unsichtbare, undefinierbare Verbindung zwischen den beiden wird schon in den ersten Minuten des Films deutlich: In einer Galerie schaut Aki zu wie der blinde Mann die Skulptur einer nackten Frau befühlt. Und es fühlt sich für sie an, als seien die Hände des Blinden an ihrem Körper.

6/10