Dienstag, 31. Januar 2012

The Human Centipede (First Sequence)

The Human Centipede (First Sequence)


Niederlande, 2009
Genre: Horror
Regisseur: Tom Six
Darsteller: Dieter Laser, Ashley C. Williams

Lindsay und ihre Freundin Jenny stecken in der Klemme. Den zwei amerikanischen Touristinnen, die zusammen eine Reise durch Deutschland unternehmen, passiert mitten im Wald eine Reifenpanne. Da das Handy keinen Signal bekommt, machen sie sich auf den Weg, Hilfe zu holen. Als der Regen zu strömen beginnt, finden sie glücklicherweise ein Haus. Dort werden sie von dem geschätzten Chirurgen Dr. Heiter begrüßt, der ihnen den Eintritt ins Haus gewährt. Doch nach kurzer Zeit merken die jungen Frauen, dass irgendetwas mit dem Mann nicht stimmen kann.

Kommentar: Der menschliche Tausendfüßler. Wer schon immer wissen wollte, wie so etwas aussehen könnte, dürfte bei dem Film von Tom Six Augen machen. Oder auch nicht. Denn die Idee von einem ekelhaften Experiment verkommt inszenatorisch zu einer Nullnummer. Zum einen liegt das an der sehr harmlosen visuellen Umsetzung des Tausendfüßlers und zum anderen an der wirkungslosen Darstellung menschenverachtender Triebe, deren bester Freund Dr. Heiter sein dürfte, ein cholerischer Mad Scientist, der so besessen vom seinem neuen Machtgefühl ist, dass er keinen Moment auslässt, um seine Opfer zu demütigen. Möchtegern-Schoker aus den Niederlanden, dem man das Desinteresse an allem, was das Filmvergnügen bereichern könnte, in jeder Einstellung anmerkt.

2/10

Sonntag, 29. Januar 2012

The Harp of Burma

The Harp of Burma (Biruma no tategoto)


Japan, 1956
Genre: Drama
Regisseur: Kon Ichikawa
Darsteller: Rentaro Mikuni, Shoji Yasui

Burma, im Juli 1945: Eine japanische Militäreinheit macht sich auf den Weg die thailändische Grenze zu überqueren und macht in einem kleinen Dorf halt, wo die Bewohner ihnen ein kleines Haus als Schlafplatz für die Nacht überlassen. Leider bemerken die Soldaten, dass sich feindliche Truppen dem Dorf nähern. Doch die britischen Soldaten sind im Aufrag gekommen, die Japaner einzusammeln, um sie danach in ein spezielles Lager unterzubringen, da Japan kapituliert hat. Doch auf dem Weg in das Internierungslager bekommt der Harfenspieler und Soldat Mizushima noch eine Aufgabe. Er soll in den Bergen einen japanischen Truppenverband zur Kapitulation überreden. Was sich als ein ziemlich schwieriges Unterfangen entpuppt, da der dortige Truppenführer und sein Gefolge für die Ehre weiter kämpfen wollen.

Kommentar: "The Harp Of Burma" schildert in stimmungsvollen Bildern nicht den Schrecken des Krieges, sondern die menschlichen Seiten danach. Was passiert mit den Individuen? Wie verändern sich ihre Einstellungen? Großen Action-Radius erreicht dieses Drama glücklicherweise nie, sondern schöpft seine Spannung aus der Dynamik des Geschehens und den emotionalen Momenten. Die Töne der Harfe, die von dem talentierten Spieler Mizushima kommen, symbolisieren Leidenschaft und Trauer. Er ist nicht zufällig diese eine Person im Film, bei der sich Antriebskraft und Energie mit großer Gewissenslast und Verarbeitungsproblemen vermischt, so dass er nach der Kapitulation und der späteren Heimfahrtmöglichkeit nicht daran denkt nach Japan zurückzukehren bis die letzte Soldatenleiche in Burma unter der Erde liegt. Ebenfalls werden Themen wie Trennung und Freundschaft verarbeitet und daneben Individualismus und Kollektivismus veranschaulicht. Vor allem sind die letzten 30 Minuten sehr denkwürdig, weil sie die tiefen emotionalen Seiten, die der Film davor noch sehr gut versteckt hielt, plötzlich und mit aller Konsequenz offenbaren. Zum Schluß gibt es kein Happy End, keine lachenden Gesichter. Jeder der Soldaten ist irgendwo im Kopf mit seiner und der Zukunft Japans beschäftigt. Und diese ist ungewiss.

6/10

Louise Hires a Contract Killer

Louise Hires a Contract Killer (Louise-Michel)


Frankreich, 2008
Genre: Komödie
Regisseur: Benoît Delépine, Gustave Kervern
Darsteller: Yolande Moreau, Bouli Lanners

Die Fabrikangestellte und Analphabetin Louise ist von einem Tag auf den anderen arbeitslos. Als sie nämlich eines morgens mit ihren Arbeitskolleginnen die Fabrik betritt, steht diese leer. Die Angestellten entscheiden, dass sie ihre Abfindungssummen zusammenlegen und einen Profikiller engagieren, um den Fabrikchef nicht ungeschoren davon kommen zu lassen. Zum Glück weiß Louise, wo sie solch einen Menschen finden kann und heuert nach einem kurzen Gespräch einen Wachmann namens Michel an, der sich als ruhmreicher Auftragsmörder ausgibt.

Kommentar: Schwarzhumorig und grotesk präsentiert sich diese französische Komödie, die im unteren sozialen Milieu spielt und eine geistig stark beschränkte Frau als Hauptfigur hat. Das Skurrilitätspotenzial der Geschichte und ihrer Marionetten wird voll und ganz ausgereizt, eine Verschnaufpause vom Unsinn existiert so gut wie überhaupt nicht. Womit wir auch schon beim konkreten Schwachpunkt wären. Auf Biegen und Brechen möchte "Louise Hires a Contract Killer" lustig sein, jede Szene soll aufregend und amüsant sein, so dass man eines der wichtigsten Elemente des Kinos außer acht lässt: das Erzählen. Das sich ruhige Hintreiben zu den Hauptgestalten, zählt dazu, das sich Entwickeln von Szenen, die sich nicht dem Trieb des lachmuskelsprengenden Humors unterwirft, sondern zur Stärkung der Authenzität beiträgt, fehlt ebenfalls. Ansonsten ist der Film aber Unterhaltung auf hohem komödiantischen Niveau.

4/10

Montag, 23. Januar 2012

Ultracop 2000

Ultracop 2000 (Yu zhou zu ji)


Hongkong, 1992
Genre: Action (Trash)
Regisseur: Philip Ko
Darsteller: Ricky Davao, Yukari Oshima

Hongkong im 21. Jahrhundert: Die Polizisten Tony und Betty bekommen den Auftrag einen Drogenbaron zu schnappen, was ihnen jedoch im ersten Anlauf misslingt. Erst beim zweiten Versuch schaffen sie es die Banditen dingfest zu machen. Doch dann bekommen sie ein Problem wegen dem nicht mehr präsenten Schwertkampf zwischen zwei Außerirdischen, dem guten Jack und dem bösen Kota. Jack verliert den Kampf und der Weg für Kota und seine Ziele ist frei - er will die Weltherrschaft mittels seiner übermenschlichen Kräfte erreichen, in dem er alle Menschen in Zombies verwandelt.

Kommentar: Ein sich über Genrekonventionen totlachender Film, blöd und witzig zugleich und mit homophoben Untertönen gewürzt. Und zweifellos ist das einer dieser asiatischen Trashschinken, bei denen man sich fragt, was sich die Teilnehmenden wohl dabei gedacht haben. Natürlich bin ich allen Beteiligten dankbar für dieses sagenhaft schlecht konstruierte Elementekonzert verschiedener Genres. Martial-Arts, Komödie, Kriminalfilm, Sci-Fi und am Ende kommt "Ultracop 2000" sogar nicht drumherum paar Zombies für ein Gruselambiente einmarschieren zu lassen. Dass dieses Machwerk sich einem ins Gedächtnis brennt, kann viele Ursachen haben. Zum einen wäre da die sinnlose Handlung um zwei mit tollen Kampfskills ausgestatteten Cops, die einem Dealerring auf der Schliche sind, während zusammenhanglos daneben sich die absurde Geschichte über zwei Außerirdische abspielt. Glücklicherweise lässt sich darüber herzhaft lachen, denn dass es an einer echten Nachvollziehbarkeit für die Motive aller Figuren mangelt, liegt sowieso in der Natur der Hongkonger Billigfilme und gilt in diesem Sektor ohnehin als vollkommen selbstverständlich. Eine anderen mächtigen Reizpunkt bildet die banale Komik des Nichtlustigseins. Da eine Beschreibung dieser jedoch einer Beleidigung gleichkommt, weil Worte in diesem Fall in keinster Weise die Bilder ersetzen können, verzichte ich darauf und lasse in Gedanken einige Szenen noch einmal Revue passieren. Ich habe meinen Spaß!

7/10

Donnerstag, 19. Januar 2012

Klassenfahrt

Klassenfahrt


Deutschland, 2002
Genre: Drama
Regisseur: Henner Winckler
Darsteller: Steven Sperling, Sophie Kempe

Die Klasse 10 b aus Berlin macht eine Klassenfahrt an die polnische Ostsee. Dem Außenseiter Ronny bedeutet dieser Ausflug mit dem Klassenverband sehr wenig, so dass er an Gesprächen und Aktivitäten kaum teilnimmt. Als sich die in der Schulklasse beliebte Isa sich für ihn zu interessieren scheint, verliebt er sich in sie. Doch dann lernt sie den Polen Marek kennen und Ronny beginnt eifersüchtig zu werden. Ein stiller Wettkampf um Isa beginnt.

Kommentar: Dass das einer dieser Filme sei, bei denen man viel Sitzfleisch benötige, wäre eine seltsame und ein nur zu allgemeine Aussage, da man dadurch natürlich die starke Diskrepanz zwischen den verschiedenen Zuschauerinteressen vollkommen außer acht ließe. Es gibt eben Filmfreunde auf der Welt, die lieben die übertriebene und beherrschende Stille; die Leere, die zwischen Protagonisten entsteht, wenn jegliche Worte keine Bedeutung mehr haben; die Abgründe, die so unprätentiös geschildert werden, dass sie einem als real existierend erscheinen. Vielleicht macht genau die Betrachtung dieser Existenz Filme wie "Klassenfahrt" so faszinierend.

Henner Winckler bietet dem Sichter kein Abenteuer mit Erlebnischarakter, sondern einen gewöhnlichen Trip in den Kosmos zweier Jugendlicher, Ronny und Isa. Ihre Furcht vor Worten ist so etwas wie das Thema des Films, an welches sich die Inszenierung perfekt anpasst, denn spröde Aufnahmen, die selbst Nonsense-Gespräche als markante Höhepunkte eines Tagesablaufs darstellen, konkurrieren hier nur noch mit unzähligen anderen spröden Aufnahmen. Alles wirkt reduziert. Selbst Ronny und Isa sind von ihren Charaktereigenschaften weit entfernt davon, vordergründig besonders originell gezeichnet zu sein. Er, ein stiller Außenseiter, sie, ein in der Schulklasse beliebtes und bei Männern gut ankommendes Mädchen. Doch in den Klassenfahrttagen erwacht in ihnen eine große Sehnsucht und schweißt sie zusammen. Ihre Verbindung ist die Sehnsucht nach Stille, das Bedürfnis nach einer Stummtaste. Genau das wird zur Herausforderung der beiden, gleichzeitig jedoch auch ihr gemeinsames Verhängnis.

"Klassenfahrt" ist bloß an der Oberfläche ein ruhiges Teenager-Drama. Innerlich ist besonders Ronny am Kochen. Das Entfremdetsein scheint jedoch nicht sein primäres Problem zu sein. An den Freizeitveranstaltungen seiner anderen Mitschüler nimmt er sowieso nur passiv teil. Sie interessieren ihn nicht, weil sie laut sind und aufgeregt daherkommen. Isa dagegen erkennt als er Verbündete. Was folgt ist die unausgesprochene Liebe, schließlich die krankhafte Eifersucht, weil sie mit einem Polen unterwegs ist, und als letzter Akt ein Duell zwischen ihm und dem Polen, ganz klassisch, weil es eben nur einen Eroberer geben kann. Nicht ganz so klassisch zu diesem Aufbau präsentiert sich das unrühmliche Ende des Zweikampfs, das einen Toten fordert, nämlich den Polen, aber in der Inszenierung keine spezielle Form erfährt. Etwas Außergewöhnliches wird zum Gewöhnlichen. Hier manifestiert sich auch Ronnys latente Bereitschaft stark über die moralischen Grenzen hinauszugehen, eindrucksvoll fängt es der Fim dabei ein. Weil "Klassenfahrt" keinen Zwang verspürt, seine Stimmung in einem eigentlich für Ronny chaotischen Zustand zu ändern, trifft er den Zuschauer umso härter, da die Existenz eines Abgrunds durch die Unaufgeregtheit und das vermeintlich Selbstverständliche nur noch klarer zu beobachten ist.

7/10

Mittwoch, 18. Januar 2012

Hatchet For The Honeymoon

Hatchet For The Honeymoon (Un accetta per la luna di miele)

Italien/Spanien, 1970
Genre: Thriller, Kriminalfilm
Regisseur: Mario Bava
Darsteller: Stephen Forsyth, Dagmar Lassander

John Harrington leidet an einer psychischen Störung. Zwanghaft ermordet er junge und unschuldige Frauen. Doch nicht irgendwelche, sondern ausschließlich Frauen, die kurz vor ihrer Hochzeit stehen. Zwischen seinen Mordaktionen und seinem normalen Leben als Geschäftsführer eines Brautmodeanbieters schieben sich immer wieder Fantasien von seiner Mutter ein, die blutend auf einem Bett liegt und seinen Namen schreit. Als John seine Frau Mildred umbringt, kehrt diese als ihm immer an der Seite stehender Geist zurück.

Kommentar: Kriminalfilm, Horror, Psychothriller, Giallo, Mystery. Bava schmiss verschiedene Elemente in einen Topf und erhoffte sich - so denke ich mir das mal - eine explosive Mischung und damit als Ergebnis einen spannenden abendfüllenden Filmstoff. Die Rechnung geht auch zum Teil auf. Denn die Spannung bezieht der Film nicht aus der zeittechnisch beherrschenden Unklarheit des Zuschauers über den Täter, wie es in so vielen Filmen dieser Gattung der Standard ist, sondern aus den Erzählungen des Hauptakteurs über die Mechanismen seiner Psyche und den damit verbundenen Folgen sowie seinen Hoffnungen, die durch die Morde geweckt werden. Problematisch nur, dass eine Bindung des Zuschauers zum Serienmörder anscheinend niemanden interessiert hat. Obwohl der Hauptakteur in fast jeder Einstellung zu sehen ist, und das ist wirklich eines der auffälligsten Tatsachen des Films, bleibt die große Empathie aus. Audiovisuell trifft der Italiener Bava meist die richtigen Töne. Ob Farboptik oder passende musikalische Untermalung, die gute Unterhaltung stiften genau die Mittel, die das italienische Kino in den 60ern und 70ern so bekannt machten.

4/10

Freitag, 6. Januar 2012

Flüstern des Meeres – Ocean Waves

Flüstern des Meeres – Ocean Waves (Umi ga kikoeru)


Japan, 1993
Genre: Drama (Zeichentrick)
Regisseur: Tomomi Mochizuki
Sprecher: Nobuo Tobita, Yoko Sakamoto

Taku und Mutsano gehen zusammen in eine Schule und sind seit Jahren beste Freunde. Doch als die siebzehnjährige Rikako aus Tokio neu in Matsunos Klasse kommt, spannt sich das Verhältnis der beiden Jungs an. Beide haben Augen für die geistig wie sportlich begabte, attraktive Schülerin. Als Rikako ihren von der Mutter geschiedenen Vater in Tokio besuchen fährt, wird sie von Taku begleitet. Doch als Rikako von ihrem Vater enttäuscht wird, verbringt sie die Zeit ihres Aufenthalts mit Taku in einem Hotelzimmer, wo sie ihn in der Badewanne schlafen lässt. Taku wird klar, dass seine Freundin unter den schwierigen Familienverhältnissen leidet.

Kommentar: Eine Filmarbeit über die unausgesprochenen Worte und die verdrängten Gefühle, ohne viel Romantik zu versprühen, mit dem üblichen, sympathischen Ghibli-Touch. Als realistisches Werk über eine Dreiecksbeziehung konzipiert, geleitet von dem Charakter Taku, der durch Gedanken und Erinnerungen Eckpunkte seiner Vergangenheit durchleuchtet, offenbart sich "Ocean Waves" dem Zuschauer niemals als eine aufdringliche Liebesgeschichte. Pathos bleibt ein Fremdwort und Klischees halten keinen Einzug. In einem Zeitfenster von knapp 72 Minuten problematisiert dieser für ghiblische Verhältnisse unbekannte Zeichentrickfilmstreifen, die nicht genutzten Möglichkeiten und Chancen. Getragen von einem pessimistischen und melancholischen Grundton verdeutlicht er, wie Menschen ihre untereinander funktionierenden Beziehungen oftmals unnötig verkomplizieren. Eine optimismistische Richtung gibt dieser Erwachsenenfilm zum Ende vor, denn eine Sache bleibt doch immer gewiss: es ist nie zu spät für irgendwas.

5/10

Karakter

Karakter


Niederlande/Belgien, 1997
Genre: Drama
Regisseur: Mike Van Diem
Darsteller: Fedja Van Huet, Jan Decleir

Rotterdam 1938: Ein frischgebackener Anwalt namens Acob Katadreuffe wird beschuldigt, den berühmt-berüchtigten Gerichtsvollzieher Dreverhaven ermordet zu haben. Acob gesteht zwar, dass es eine Auseinandersetzung mit Dreverhaven gegeben hat, doch von einem Mord will er nichts wissen und weist die Anschuldigungen zurück. Um seine schwierig nachvollziehbare Beziehung zu dem Gerichtsvollzieher zu erklären, beginnt er in der Erzählung bei seiner eigenen Kindheit.

Kommentar: Schon zu Anfang ist klar, dies wird ein beklemmender Film. Durch gute Lichtsetzung ist es beispielsweise sehr vorbildlich gelungen den Gerichtsvollzieher Dreverhaven wie eine Schattengestalt, wie ein schwarzes, alles hineinfressendes Loch darzustellen. Wie er auf seinen Gegenspieler, seinen ehrgeizigen leiblichen Sohn wirkt, ist damit gut nachzuempfinden. So kratzt diese Vater und Sohn-Geschichte mit seiner tragischen Einstellung nicht bloß an der Oberfläche, sondern gestaltet stilsicher ein tiefgreifendes psychologisch komplexes Bild einer undurchsichtigen Beziehung, die wie ein endloses Spiel um die Macht ausschaut. Mit düsteren Klängen und in herbstlichen Bildern stellen die Macher des Films das Rotterdam der Zwanziger sowie Dreißiger Jahre des 21. Jahrhunderts vor, beschränken die Handlung auf nur wenige Orte und integrieren zusätzlich die Konflikte zwischen den Kommunisten und den Kapitalisten in die sehr entspannt ablaufende Lebensrekonstruktion des Anwalts Acob Katadreuffe. Sehr ansehnlich.

6/10

Montag, 2. Januar 2012

Football Under Cover

Football Under Cover


Deutschland, 2008
Genre: Dokumentation
Regisseur: Ayat Najafi & David Assmann
Darsteller: Niloofar Basir, Narmila Farthi

Eine Kreuzberger Frauenfußballmannschaft nimmt sich etwas Ungewöhnliches vor. Die Frauen des Teams möchten gegen die die Frauennationalmannschaft von Iran spielen, da diese bisher noch nie gegen eine internationale Auswahl gekickt hat. Doch das ist gar nicht so leicht, denn im streng islamischen Staat herrschen andere Gesetze. So muss erst einmal alles organisiert werden. Ein nervenzerreibendes Warten reiht sich an das nächste und es scheint, als gewinne die Bürokratie. Doch dann findet das Spiel statt. Das Besondere dabei: nur Frauen dürfen in das kleine Stadion. Die Männer bleiben draußen.

Kommentar: Die gesellschaftspolitische Relevanz dieses Werkes wird sicherlich niemand abstreiten. Das gefilmte Projekt ist auch mehr als nur eine Geste, weitaus mehr als ein Zeichen. "Football Under Cover" steht symbolisch für den Kampf für Freiheit und Gleichberechtigung. In knapp 90 Minuten berichtet die Dokumentation über die unterschiedlichen Lebensläufe von jungen Frauen, stellt die in Deutschland und die in Iran aufgewachsenen nebeneinander, vergleicht, ohne einen Kommentar abzugeben. Das Tempo ist langsam, so als dürfe kein winziger Moment des Materials verpasst werden. Angenehm fließen die Bilder ineinander, erzählen dem Zuschauer etwas über die sozialen Zustände in Iran und thematisieren die Schwierigkeiten der Frauen dort, aber auch so manch ihrer aufständischen Aktionen. Die Schaffung von Sympathiefiguren gestaltet sich wie erwartet nicht schwierig, wenngleich die Dissonanzen, verursacht durch die iranische Bürokratie, nicht ausreichen, um filmisch eine aufregende Reise präsentieren zu können. Dennoch kann das zur Völkerverständigung beitragende Projekt als Erfolg verbucht werden, was sich meisterhaft in einer Szene offenbart: als die Frauen spielen, stehen die Männer vor geschlossenen Toren und können das Fußballspiel nicht mit ansehen. Normalerweise ist da ja andersrum.

4/10