Montag, 12. März 2012

Das Hausmädchen

Das Hausmädchen (Hanyo)


Südkorea, 2010
Genre: Drama, Thriller
Regisseur: Im Sang-soo
Darsteller: Jeon Do-yeon, Lee Jung-jae

Die junge Eun-yi nimmt eine Stellung als Hausmädchen bei der reichen Familie Goh an. Ihre Hauptaufgabe ist es, sich um das Kind der Familie zu kümmern, das Mädchen Nami. Doch Familienoberhaupt Hoon und seine hochschwangere Frau erwarten in den nächsten Wochen auch noch Zwillinge. Da Hoon der Sex mit seiner Gattin nicht mehr gefällt, wird er auf die neue und sehr attraktive Hausangestellte aufmerksam. Eines Nachts verführt er diese und später stellt sich auch noch heraus, dass die junge Frau von ihm schwanger ist.

Kommentar: Die Bilder sparsam ausgeleuchtet, die Kameraführung präzise. An der Inszenierung liegt es nicht, dass "Das Hausmädchen" nach der Hälfte die Luft stufenweise, von Minute zu Minute, ausgeht. Der Film um die junge Hausangestellte, die von einem Tag auf den anderen, die gesellschaftlichen Machtspiele kennenlernt, wenn auch nur in einer begrenzten Dimension, kann den Zuschauer selten für sich gewinnen. Zu kalt, zu unnahbar sind die Charaktere. Der erotische Flair, durch sehr sinnliche Bilder hervorgehoben, das düstere und irgendwie mysteriöse verschwindet irgendwann wie verzaubert. Die Lücken in der Spielzeit schließt dann leider ein unintensives Zirkusspiel wohlhabender Menschen, die alles dafür machen, nur damit sie sozial keinen Abstieg erleiden müssen. Zeitweise kommt das manchmal einer Satire gleich, aber ob das wirklich so gewollt war?

4/10

Sonntag, 11. März 2012

Gandu - Wichser

Gandu - Wichser (Gandu)


Indien, 2010
Genre: Drama
Regisseur: Kaushik Mukherjee
Darsteller: Anubrata Basu, Joyraj Bhattacharya

Gandu führt ein trostloses Leben. Durch die Gassen herumlaufen, den Macker seiner Mutter um Geld erleichtern, die ruhige Kugel schieben und hier und da mal paar Rapzeilen schreiben. Gandu ist ein Nichtsnutz, ein Träumer. Irgendwann freundet er sich mit mit Riksha an. Einem jungen Mann, der Bruce Lee anbetet und Gandu zu Drogentrips verhilft.

Kommentar: "Gandu" ist eine Reaktion auf das Süßstofftabletten-Kino, welches man sonst aus Indien gewohnt ist. Wo in braven und konventionellen Filmen des Landes über allerlei Liebesthemen gesungen wird, findet hier harter und dreckiger Rap statt. Subversiv und wütend ist der Film, der wenig Handlung besitzt, eigentlich auch keine Dramaturgie kennt, aber berauschende Bilder liefert. Gerne auch in Musicclip-Ästhetik. Soziale Probleme werden aufgegriffen, die Träumereien einfacher Menschen dargestellt und Tabus gebrochen. Softporno meets Kunst. Leider tritt die Handlung um einen jungen Mann, der von allen nur Gandu, also Wichser, genannt wird, zu sehr in den Hintergrund, so dass die Style over Substance-Problematik in der zweiten Hälfte deutlich verschärft wird. Bilderrausch schön und gut, sich von der Geschichte abkoppeln sollte man allerdings nicht. Trotzdem, ein sehr sehenswerter Film.

5/10

Samstag, 10. März 2012

Pigs Will Fly

Pigs Will Fly



Deutschland, 2002
Genre: Drama
Regisseur: Eoin Moore
Darsteller: Andreas Schmidt, Laura Tonke

Polizist Laxe hat seine Aggressionen nicht unter Kontrolle. Wieder einmal wurde er gegenüber seiner Frau gewalttätig, wegen einer harmlosen Szene mit ihrem Chef, so dass sie ins Krankenhaus gebracht werden muss. Laxe wird klar, dass er so nicht weitermachen kann. Deshalb beschließt er einen kurzen Ortswechsel und fliegt zu seinem Bruder Walter nach San Francisco. Gleich in der ersten Nacht lässt er sich zu Sex mit der jungen Inga verführen und verliebt sich in sie. Sobald Laxe jedoch auch bei ihr Anzeichen von Untreue wahrnimmt, sucht ihn die Vergangenheit auf.

Kommentar: Die Vergangenheit bleibt an einem immer haften. Das bekommt Hauptcharakter Laxe mit, der die Lösung für seine Gewaltprobleme in einem Ortswechsel findet und sich vollkommen täuscht. Er lebt wie eingekesselt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Ausübung mechanischer Gewalt hat er vom Vater gelernt, der seine Mutter sowie seinen Bruder und ihn verprügelte. Die gelernten Verhaltensmechanismen prägen jedoch seine Jetzt-Zeit. Völlig unsympathisch wird er im Film aber nicht dargestellt. Er ist sogar in der Lage - solange er in einem beherrschten Zustand ist - seine Lage und seine Schwierigkeiten in Beziehungen mit Frauen voll und ganz korrekt zu reflektieren. Insofern lässt sich der Film als ehrliche und um differenzierte Auseinandersetzung bemühte Studie interpretieren, weniger als eine filmische Auslebung der Fingerzeig-Kultur. Weiterhin interessant und besonders markant ist der Volleinsatz einer Mini-DV-Kamera, die speziell bei den Gewaltausbrüchen ihre große Wirkungskraft äußert.

6/10

Profondo rosso

Profondo rosso

Italien, 1975
Genre: Thriller, Krimi
Regisseur: Dario Argento
Darsteller: David Hemmings, Daria Nicolodi

Eine Frau, die sich auf Parapsychologie spezialisiert hat und der Meinung ist, dass sie telepathische Kräfte besitzt, wird eines nachts in ihrer Wohnung ermordet. Der Engländer Mark Daly bekommt den Tod der Frau von der Straße aus mit und rennt sofort in die Wohnung der Ermordeten. Vom Mörder fehlt jedoch jede Spur. Am nächsten Tag macht er sich mit der Journalistin Gianna bekannt. Mit dieser geht er auf die Suche nach dem Killer, der durch neue blutige Taten auf sich aufmerksam macht.

Kommentar: Ein Werk, welches Form ganz deutlich vor Inhalt stellt und sich trotzdem verweigert ein Kandidat für die Art Filme zu sein, die man gerne als substanzloses Hokuspokus-Kino bezeichnet. Argento erreicht mit seiner extravaganten Bild- und Tonarbeit die maximale Wirkung beim Sichter und lässt ihn an jeden Charakter nah heran. Diese emotionale Bindung über die audiovisuellen Reize gibt es in so gut wieder jeder längeren Szene. Das andere positive und höchst amüsante Merkmal stellen die schwungvollen und lockeren Momente dar, die sich sehr gut als Spannungsabbauer identifizieren lassen. Gerade wenn der Film sich mal wieder über den männlichen Dominanzanspruch seines Hauptcharakters lustig macht, spielt er mit der Kluft zwischen Bedrohung und Entspannung. Und zwischen Schockmomenten und Lachattacken beim Zuschauer. Ein Thriller, der versteht, die richtigen Knöpfe zu drücken.

7/10