Sonntag, 22. Juli 2012

Lady Terminator

Lady Terminator (Pembalasan ratu pantai selatan)



Indonesien, 1988
Genre: Action (Trash)
Regisseur: Jalil Jackson
Darsteller: Barbara Anne Constable, Christopher J. Hart

Die Anthropologin Tania reist nach Indonesien, um etwas über die Legende von der Südsee-Königin zu erfahren. Ein Gespräch mit einem ziemlich merkwürdigen Wissenschaftler bringt sie irgendwie weiter und sie reist mit einem Fischerboot auf das Wasser hinaus. An einer bestimmten Stelle taucht sie ins Wasser, schwimmt und landet von einem Moment auf den anderen in einem Bett, wird gefesselt und bekommt ein schlangenartiges Ding in ihren Körper. Von diesem Zeitpunkt an ist sie nicht mehr dieselbe, sondern eine bestialische Mordmaschine.

Kommentar: Der geneigte Zuschauer stempelt die vielen offensichtlichen Logiklöcher natürlich als Glücksfall ab. An asiatischen C-Movie-Schinken kann man sich sowieso kaum sattsehen, und diese indonesische Produktion treibt so einiges auf die Spitze. Der Film "referenziert" auf den Blockbuster von Cameron und stiehlt schamlos Szenen aus dem amerikanischen Kinohit, die auf clevere Weise in die sinnlos bescheuerte Handlung von der Südsee-Königin als maschinengewehrfeuernde Rächerin eingepflanzt werden. Der einzige kleinere Makel könnte sein, dass der Film zu viel echte Spannung besitzt und zum Schluss fast schon als stinknormaler Actionfilm durchgeht. Wer also den Kick der totalen Gehirnzermalmung braucht, sollte lieber zu anderen Streifen greifen. "Lady Terminator" bricht aber immerhin einige filmische Konventionen, ob absichtlich oder unabsichtlich, und findet mit seiner dilettantischen Exposition sowie den daran anschließenden Szenen einen Weg dem Zuschauer für den Nonsense erst gar keine Vorbereitungszeit zu geben, sondern nimmt sich die Freiheit, ihn gleich ins kalte Wasser zu schmeißen. Also höchstwahrscheinlich nichts für Trash-Neulinge.

4/10

Die Verachtung

Die Verachtung (Le Mépris)



Frankreich/Italien, 1963
Genre: Drama
Regisseur: Jean-Luc Godard
Darsteller: Brigitte Bardot, Michel Piccoli

Ein Film über die Irrfahrten des Odysseus soll gedreht werden. Bei einem Treffen wird Krimiautor Paul vom Filmproduzenten gebeten, einige Seiten aus dem bisherigen Drehbuch umzuschreiben. Paul willigt nach kurzem Nachdenken ein. Der Zufall will es, dass er und seine Frau Camille vom reichen Filmproduzenten eingeladen werden, in seinem Haus einen Drink zu nehmen. Da in das Cabrio des Produzenten neben dem Fahrer nur eine weitere Person reinpasst, bittet Paul seine Frau in das Cabrio zu steigen, er selbst will ein Taxi nehmen. Camille ist irritiert und denkt, Paul habe sie an den Produzenten verkauft.

Kommentar: Konventionen brechen und der Filmformeln auswendiglernenden Zuschauerschaft in die Suppe spucken, alles Aufgaben, denen sich Godard in seinen Filmen immer verpflichtet fühlte. Auch "Die Verachtung" ist stilistisch höchst überzeugend. Filmmusik wie Bildkomposition sind brilliant und gehen auch mal atypische Wege. Manch leichte Verwirrungen auf visueller Ebene unterstreichen auf diese Weise perfekt das Liebeschaos der beiden Hauptfiguren. Die Dialoge zwischen ihnen sind so herrlich uneindeutig und realistisch, so zwanglos ausschweifend und oftmals sinnentleert, dass sie eine Verachtung für den Schnellerzählwahnsinn im Kino mitbringen, der für Skurrilitäten kein Herz hat und durch den alles nach einem festen Schema abgearbeitet werden muss. Dass dieses sehr vielschichtige Werk von Jean-Luc Godard, mit all seinen Reflexionen über den Kinokosmos und den ständigen Anspielungen auf die Liebesgeschichte insgesamt trostlos wirkt, liegt wahrscheinlich an seinem schnell erschöpfenden Spiel mit verschiedenen Ebenen und daran, dass der Handlungsstoff für höchstens 45 Minuten taugt. Er/Sie liebt micht, er/sie liebt mich nicht, er/sie liebt mich. Und so weiter. Irgendwann nervt der Rhythmus.

4/10

Freitag, 20. Juli 2012

Im Dreck verreckt

Im Dreck verreckt (Le rapace)



Frankreich/mexiko/Italien, 1968
Genre: Thriller
Regisseur: José Giovanni
Darsteller: Lino Ventura, Xavier Marc

Profikiller Rital reist in ein lateinamerikanisches Land ein und wird beauftragt den Staatschef umzubringen, um eine Revolution im Land in Gang zu setzen. Der unerfahrene und naive Chiko ist der Enkel des aktuellen Präsidenten und soll nach einem erfolgreichen Umsturz die Position seines Großvaters übernehmen. Nur kommt alles anders, weder zum Vorteil von Chiko noch zum Vorteil des Profikillers.

Kommentar: Ein Thriller, der kaum jemanden vollends befriedigen dürfte. Weder die Fraktion der Actionorgien-Liebhaber noch die Gruppe, die nach psychologisch raffinierten Stücken Ausschau hält. Stattdessen bietet "Le repace" für alle beiden Seiten etwas, aber eben nur in unausreichender Menge. Lino Ventura darf den kauzigen und strengen Killer geben, dem kaum Emotionen zu entlocken sind und der mit dem grünschnabeligen Chiko natürlich keine Mühe hat fertig zu werden. Einige Tage müssen die beiden auf engstem Raum verbringen. Das entlockt natürlich etliche Konflikte und trägt sehr zur Charakterisierung der Figuren bei. Was den Machern um Regisseur Giovanni aber wenig gelingt, ist die Vermittlung eines Raummangels zwischen den Personen. Die Konflikte werden nicht atmosphärisch akzentuiert, sondern vielmehr leblos zusammengetragen und akkumuliert. Oder einfach gesprochen: Es fehlt etwas Lebendiges. Vielleicht beruht diese negative Beurteilung auch einfach nur darauf, dass etliche auf einen Raum begrenzte Situationen eine bessere Umsetzung bekommen haben. Im hinteren Teil des Films gibt es einige coole Schießereien und die unvermeidbare Annäherung des Profikillers zum grünschnabeligen Chiko.

4/10

Dienstag, 17. Juli 2012

Die Jungs vom Bahnhof Zoo

Die Jungs vom Bahnhof Zoo



Deutschland, 2011
Genre: Dokumentation
Regisseur: Rosa von Praunheim
Darsteller: -

Das Milieu der männlichen Prostituierten in Berlin wird in den Medien kaum thematisiert. Der deutsche Filmemacher Rosa von Praunheim kümmert sich um diese Lücke und zeigt in seinem Dokumentarfilm die Lebenswirklichkeiten der Stricher. Da sich die Szene nicht auf das "primäre Geschäft" reduzieren lässt, spricht er auch mit Projektarbeitern einer Hilfsorganisation und dem bekennenden Freier Peter Kern, der ein angesehener österreichischer Regisseur ist.

Kommentar: Formal unauffällige Dokus müssen immer ein spannendes und wenig verbrauchtes Thema haben, damit sie ein größeres Publikum wahrnimmt. Leider bringt die Thematisierung eines unangenehmen und tabuisierend wirkenden Themas ebenfalls das Dilemma mit sich, dass man nur wenig Zuschauer erreicht. Mir hat "Die Jungs vom Bahnhof Zoo" einen verständlichen Blick auf die Berliner Stricherszene gegeben, die sich in vielen Merkmalen und Hintergrundgeschichten wahrscheinlich kaum von anderen Strichermilieus in europäischen Städten unterscheidet. Die ständigen Perspektivenwechsel im Film geben nicht nur viele Informationen aus verschiedenen Quellen preis, sondern zeugen vom echten Interesse des Regisseurs, ein komplexes Bild des Submilieus zu zeichnen. Denn Kneipenwirte, Freier und Sozialarbeiter füllen alle ihre Rollen aus, wenn die männlichen Prostituierten anschaffen gehen. Durch seine starken Hang zur Nüchternheit ist der Dokumentarfilm ehrlich und verleiht mit seiner beständigen Klischeelosigkeit vielen Passagen eine ansonsten in solchen Filmen kaum vorhandene Eindringlichkeit.

6/10

Fish Tank

Fish Tank



GB, 2009
Genre: Drama
Regisseur: Andrea Arnold
Darsteller: Katie Jarvis, Michael Fassbender

Mia ist 15 Jahre und wohnt mit ihrer alleinerziehenden Mutter und einer jüngeren Schwester in einer englischen Plattenbausiedlung. Als ihre Mutter mit dem sympathischen Connor eine Beziehung anfängt, dringt dieser als Vaterfigur ins Familienleben ein. Mia verliebt sich in den Lover ihrer Mutter und vollzieht mit ihm im späteren Verlauf den Geschlechtsverkehr, wonach Connor sich von Mias Mutter trennt. Da Mia in zur Rede stellen will, sucht sie ihn auf und stellt entsetzt fest, dass er verheiratet und Vater eines kleinen Mädchens ist.

Kommentar: Von der Plattheit pseudocooler sozialdramatischer Filme aus Großbritannien, die in den letzten Jahren abgedreht und gezeigt wurden, besitzt "Fish Tank" Gott sei Dank nichts. Über 120 Minuten geht das Sozialdrama von der britischen Regisseurin Andrea Arnold und erzählt die in einer Plattenbausiedlung Englands lokalisierte Erwachsenwerden-Geschichte eines ehrgeizigen, wenig gebildeten Mädchens, das sich einen Dreck um die Schule kümmert und lieber zu Hip Hop Musik tanzt. Die realistischen Züge der Handlung und der Inszenierung erinnern nicht selten an die britischen New Wave Abenteuer der Fünfziger und Sechziger. Man wahrt größtenteils die Distanz zum Zuschauer und versucht einen Realismus zu kreieren. Dass das über zwei Stunden in diesem Fall funktioniert, hat in erster Linie wahrscheinlich mit der psychologischen Authentizität der Hauptfigur zu tun. Mia verhält sich in jeder Situation so, wie man es von einer 15-Jährigen erwarten würde. Dass manche ihrer Aktionen höchst lächerlich sind (ohne jedoch lächerlich zu wirken!), ist dabei nur eine der vielen Komponenten ihrer authentischen Persönlichkeit. Als Zuschauer überkommt dann einen jedes Mal ein saugutes Gefühl. Weil man sich nicht veräppelt vorkommt.

6/10

Mittwoch, 4. Juli 2012

Snowman's Land

Snowman's Land



Deutschland, 2010
Genre: Thriller, Drama
Regisseur: Tomasz Thomson
Darsteller: Jürgen Rißmann, Thomas Wodlanka

Walter ist ein Auftragskiller, dem bei seinem letzten Job ein schwerwiegender Fehler passiert. Nun bittet ihn sein Auftraggeber als Ausgleich für den nicht erfolgreich ausgeführten Auftrag, das Haus des Gangsterbosses Berger zu bewachen. Auf dem Weg zum Haus, welches im Nirgendwo einer Berglandschaft liegt, trifft er seinen alten Kumpel Micky. Doch sie stellen fest, dass Berger zurzeit nicht anwesend ist und nur seine Freundin Sibylle sich im großen Haus aufhält. Doch auch Sibylle verschwindet nach kurzer Zeit und kehrt erst ein paar Tage später wieder. Da Micky und Sibylle langweilig ist, vertreiben sie die Zeit mit dem Konsum von Drogen, was zur Folge hat, dass Sibylle sich im Rausch versehentlich mit einer Pistole erschießt. Walter ist sich sicher: Wenn Berger den Todesfall seiner Freundin mitbekommt, sind Micky und er erledigt.

Kommentar: Das Szenario vom passiven Auftragskiller, der in seiner Rolle verloren wirkt, ist nicht neu. Jürgen Rißmann spielt den Antihelden Walter fantastisch und fängt die Situation des Charakters, die mehr und mehr zu einer Farce wird, in seiner Mimik eindrucksvoll ein. Die restlichen Figuren befinden sich allerdings an der Grenze zur Überzeichnung, was das komödiantische Potenzial von "Snowman's Land" neben all dem leisen Situationshumor nur unterstreicht. Dieser Arthaus-Thriller zählt jedoch nicht nur auf die Fähigkeiten seines Hauptdarstellers. Einen großen Anteil an der Klasse dieses Paradebeispiels von deutschem Genrekino hat ebenfalls die Kameraarbeit von Ralf M. Mendle. Durch ihn wird die Schneelandschaft zu einer Bedrohung, die Absenz von Zivilisation zu einem Nerventest. Irgendwo zwischen Tarantino und den Coens ist das Gesamte einzuordnen. Doch strebt hier der Orientierungssinn des Films in keinster Weise ein seelenloses Kopieren an, sondern nutzt seine Inspirationsquellen zu seinem eigenen selbstbewussten Auftreten, welches entschieden darauf bedacht ist, die Filmkunst als Spielplatz für vermischte Ideen zu nutzen.

6/10

Angst essen Seele auf

Angst essen Seele auf



Deutschland, 1974
Genre: Drama
Regisseur: Rainer Werner Fassbinder
Darsteller: Brigitte Mira, El Hedi

Emmi ist Putzfrau und Witwe. Eines Abends lernt sie in einer Bar den 20 Jahre jüngeren Gastarbeiter Ali kennen, nimmt ihn für eine Nacht mit in ihre Wohnung und verliebt sich in ihn. Doch so gut wie niemand ist glücklich über diese Beziehung. Die Nachbarn von Emmi beispielsweise lästern über ihr Verhältnis zu einem Ausländer und betiteln sie als Schlampe. Als die beiden sogar auch noch heiraten, wollen auch die Kinder von Emmi nichts mehr von ihrer Mutter wissen und die Kolleginnen bei der Arbeit meiden die Frau ebenfalls.

Kommentar: Ein von ihrer Umwelt angefeindetes Liebespaar versucht sich über Vorurteile hinwegzusetzen und beginnt ein Leben, das den Vorstellungen ihrer Mitbürger ganz und gar nicht entspricht. Fassbinder reagiert mit diesem Werk auf den alltäglichen Rassismus seiner Zeit. Er entkleidet schroff die kleinbürgerliche Welt und befingert die Intoleranz wie das fragwürdige Weltbild. Ausländer sind als dreckige Schweine stigmatisiert, und deutsche Frauen, die sich mit Ausländern abgeben, klassifiziert man schnell als Nutten. Fassbinders Kritik an der deutschen Gesellschaft, etwas mehr als dreißig Jahre nach der Herrschaft der Nationalsozialisten, ist vernichtend. Besonders grausam wird es, wenn enge Freunde oder Familienmitglieder, die sich zuvor mit dem Paar zerstritten haben, unter dem Deckmantel der Versöhnung, das später in der Ehe stehende Paar für ihre Interessen ausnutzen, weil ihnen das inhärente positive Kosten-Nutzen-Ergebnis bewusst wird. Der Film ist ein Liebesdrama mit manchmal grotesken Zügen und einer Mischung aus Nähe und Distanz zum Geschehen grundsätzlich kooperativen und distanzierten Form sowie vielen Unbehagen auslösenden Dialogen. Was bleibt noch zu sagen? Wahrscheinlich ist dieses Werk eine der begrüßenswertesten Arten des Kinos. "Angst essen Seele auf" weist mit großer Konsequenz auf reale Probleme hin und zeigt mit seinen melodramatischen Grundtönen ein großes Interesse für seine Figuren.

7/10