Mittwoch, 28. Mai 2014

Buffy - Im Bann der Dämonen - Staffel 2

Buffy the Vampire Slayer
USA, 1997 - 2003
Umfang: 7 Staffeln (144 Episoden)
Genre: Mystery, Horror
Idee: Joss Wheddon


Buffy Summers möchte eigentlich ein ganz normales Leben führen und nur Probleme haben, mit denen sich alle anderen Teenager auseinandersetzen müssen. Doch zu ihrem Pech wurde sie von geheimnisvollen Mächten dazu auserwählt, eine Vampirjägerin zu sein. Also bleibt ihr nichts weiter übrig, als ihr Schicksal anzunehmen und sich Vampiren, Dämonen und anderen Wesen mit übernatürlichen Kräften entgegenzustellen. Neben dem Bibliothekar Giles, der als Buffys Wächter und Experte fungiert, stehen ihr dabei auch gute Freunde zur Seite.

 

Wer die Sunnydale Highschool besucht, kann sich kaum über Langeweile beklagen. Denn schließlich liegt direkt unter der Schule der Hellmouth, dem Schülerinnen und Schüler die vielen Vampire, Monster und andere übernatürliche Merkwürdigkeiten zu verdanken haben. In der ersten Staffel wird gar ein Rektor von besessenen Schülern verspeist. Doch das Wissen, dass es in der kalifornischen Kleinstadt Sunnydale eine zentrale Region des Bösen gibt, haben nur wenige. Und die, die den Durchblick haben, lernen noch mehrheitlich an der Schule, haben demnach also weitere Baustellen, die es verhindern, dass sie sich ganz auf die Rettung menschlichen Lebens, ja manchmal sogar die Rettung des Planeten konzentrieren können. Dass unsere Helden immer etwas zu tun bekommen, verleitet sie natürlich ab und an dazu, Witze darüber zu machen. Und irgendwie ist es auch tatsächlich lustig, dass der Schulalltag, obzwar die Teenager von Vampiren und Dämonen ständig bedroht werden, immer weitergehen muss. In der Realität hätten wohl viele Eltern ihre Kinder nach den schwer erklärbaren Vorfällen von der Schule genommen, vielleicht hätte man die Highschool gar geschlossen, aber in BUFFY scheint es solche Menschen und Optionen nicht zu geben. Mit diesem Anti-Realismus, der nur noch stärker betont, dass es sich hier um Unterhaltung handelt, gehen die Serienmacher, ohne plakativ zu werden, glücklicherweise ironisch und sehr offen um.

Diese humoristischen Verweise auf Strukturen und Regeln, wie auch andere witzige Passagen, die den Zuschauer zum Lachen animieren, behindern natürlich in keinster Weise die ernsten Töne, welche in der Serie häufig zum Tragen kommen. In der zweiten Staffel ist es vor allen Dingen das Verhältnis zwischen Buffy und Angel, welches ein hohes Maß an Tragik beinhaltet, weil der Handlungsstrang über die Liebesgeschichte im letzten Drittel einen dramatischen Richtungswechsel bekommt. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigt sich das Drehbuch bereits intensiv damit, Handlungslinien aus älteren Folgen in die neuen zu überführen und diese fortzuspinnen. Die Fans dieses TV-Projekts übertreiben es also überhaupt nicht, wenn sie meinen, dass BUFFY - IM BANN DER DÄMONEN sich in der zweiten Staffel, was die erzählerische Komplexität angeht, verändert hätte. Es wird nun noch deutlich mehr in Zusammenhängen geschildert und auf das Vorwissen des Publikums gesetzt, wohingegen bei den ersten Folgen seltener der Versuch unternommen wurde, einen relevanten Beitrag zur story arc zu leisten. Das schwierige Verhältnis zwischen der Hauptfigur und ihrem älteren Vampirfreund Angel kann auf diese Weise erst näher und ausführlicher beschrieben werden, mit allen ernsthaften Konsequenzen und nicht zu unterdrückenden Gefühlen. Die Serie erreicht hierbei ein unglaublich hohes emotionales Niveau, welches im Finale noch einmal einen neuen Höhepunkt feiert.

Beim Figurenbestand hat man sich nicht dazu entschlossen, viel zu experimentieren. Bis auf den in einer Rockband spielenden Oz, der von Seth Greene verkörpert wird, haben die Macher es nicht für nötig gehalten, das Kollektiv der Guten zu verstärken. Dagegen baute man auf der bösen Seite mit Spike und Drusilla zwei wirklich fiese Vampire ein, die sich aber zumindest von Buffys Kampftechnik überrascht zeigen. Dennoch kommt es für sie nicht in die Tüte, kampflos aufzugeben und den Slayer einfach so gewinnen zu lassen. Mit immer neuen und scheußlicheren Plänen halten sie die Heldin auf Trab, die immer noch an ihrem vorgeschriebenen Schicksal, eine Vampirjägerin sein zu müssen, zu knabbern hat. Ihre Mutter hält sie zum allem Überfluss für ein verwöhntes Mädchen, welches sich den Verpflichtungen entzieht und nicht erwachsen werden möchte. Doch Buffy Summers bringt es natürlich nicht übers Herz, ihrer Mutter freiwillig die Wahrheit zu erzählen. Etwa die Wahrheit, dass sie regelmäßig auf Friedhöfen herumlungert, um aufgestandenen Blutsaugern einen Pflock ins Herz zu rammen. Oder die Wahrheit, dass sie schon mehrmals die Welt vor deren Zerstörung bewahrt hat. Es stellt sich nicht nur die Frage, ob die Mutter ihr das glauben, sondern ob sie die Erklärung von der Determinierung auch annehmen würde.

Die tiefsinnige Serie setzt in dieser Staffel insgesamt auf mehr zusammenhängende Erzählelemente und ein breiteres Konzept, welches unglaublich viele Überraschungen bietet und zudem noch eine Weiterentwicklung der ursprünglichen Idee bedeutet. Es ist wieder einmal nicht so sehr der Sensationalismus der Vampir- und Monsterjagd von entscheidender Bedeutung, sondern die Dialoge und die Figuren, die die Dialoge aufsagen. Mit biederer Zielpublikum-Unterhaltung hat das von Jess Whedon initiierte Projekt weiterhin wenig zu tun.

Dienstag, 27. Mai 2014

Die Sopranos - Staffel 3

The Sopranos
USA, 1999 - 2007
Umfang: 6 Staffeln (86 Episoden)
Genre: Drama
Idee: David Chase


Tony Soprano ist ein Mafioso aus New Jersey und entschließt sich, nachdem er von Panikattacken heimgesucht wurde, zu einer Psychiaterin zu gehen. Neben den persönlichen Sorgen treten auch immer wieder Schwierigkeiten mit Leuten auf, die seinen Mafiakollegen und ihm den Platz streitig machen wollen oder Gelder nicht pünktlich zahlen. Und dann hat Tony ja noch seine andere Familie, seine Frau, seine Tochter und seinen Sohn. 


Mit durchgehend hoher Konsistenz hinsichtlich Charakterzeichnung und Storyablauf glänzt DIE SOPRANOS zum ersten Mal in der dritten Staffel, die die Serie nun endgültig von allen Verweisen auf das Prä-Qualitätsserien-Zeitalter wegzuführen scheint. Bemängelte ich beispielsweise noch an der ersten Staffel den doch sehr naiven Umgang mit den Problemen des Soprano-Nachwuchses, können hier bei den Figuren A.J. und Meadow aufgrund interessanter Wendungen auch interessante Verhaltensmerkmale registriert werden, ohne dass diese aufgesetzt oder konzeptlos wirken. Gerade A.J., der in den vorherigen Episoden eher wie ein Inventargegenstand wirkte, verdient sich nun mehr Aufmerksamkeit, weil seine Teenager-Jahre langsam zu Ende gehen und er weiterhin kopflos wie eh und je wirkt, worüber sein Vater selbstverständlich nicht gerade glücklich ist. Nur am Anfang gibt es für Tony Soprano noch etwas zu lachen: Sein Sohn wird Kapitän eines Footballteams. Doch auch Meadow kriegt sich mit ihrem Erzeuger in die Haare, weil dieser nämlich ihren afro-amerikanischen Freund ablehnt und kein Geheimnis daraus macht. Da Tony mit einer ziemlich simplen Interpretation der Kriminalitätsstatistik argumentiert, kann Meadow, die mittlerweile an der Columbia-Universität studiert und nicht mehr bei ihren Eltern lebt, sich nicht mehr dafür begeistern, mit ihrem Vater zu sprechen, weshalb sie eine Zeit lang den Kontakt zu ihm abbricht.

In irgendwelche neuen Richtungen haben sich die Folgen der dritten Staffel nicht gedreht, die entscheidenden Gründe für ein Qualitätshoch findet man daher allein bei den Drehbüchern für die Episoden, wovon vier mit Beteiligung von David Chase, dem Erfinder der Serie, realisiert wurden. Ihm ist es in erster Linie auch zu verdanken, dass die Serie exzellent startet. Dabei hätten die erste und die zweite Folge verschiedener kaum sein können. Der Auftakt behandelt mit frecher Inszenierung noch die Versuche des FBI, das Haus der Sopranos zu verwanzen. Während der nichts ahnende Tony Soprano also auf der Arbeit ist, nimmt ein Team sich den Keller vor, in dem der Mafiachef gerne private Vieraugengespräche mit seinen sinisteren Kollegen führt. Während diese sehr viel Dynamik ausstrahlende Episode ironisch aufgeladen ist, dreht sich die nachfolgende um einen Trauerfall, der von den Personen allerdings dann doch eher differenziert betrauert wird, wie es sich nach und nach zeigt. Hierbei benutzt DIE SOPRANOS die in solchen Momenten häufig benutzte Struktur der Selbstenthüllung, bei dem einer etwas ausspricht, was allen Anwesenden auf dem Herzen liegt, aber durch die gesellschaftlich entstehenden Vorgaben zurückgedrängt wird. In diesem Fall wissen die Beteiligten zumindest alle nicht so recht, ob sie um die Mutter von Tony Soprano auch wirklich trauern sollen. Muss man den Tod eines Menschen betrauern, wenn man ihn während seiner Lebenszeit kaum ausstehen konnte?

In den restlichen Episoden stechen vor allen Dingen die Aktivitäten bei den Mafiosi heraus, die sich immer weniger einig werden. Umso wichtiger ist es, dass Tony niemals den Blick für die Empfindungen seiner Mitarbeiter verliert. Er ist deshalb wohl auch nicht nur eine Art Manager, sondern auch der Motivierer in der Organisation, der mit einem manierlichen Auftreten und einer Prise Charisma existierende Wogen glättet und Unstimmigkeiten in Stimmigkeiten verwandelt. Man könnte meinen, dass an seinem Führungsstil und seinen Aktionen die Zukunft des gesamten Unternehmens hänge, schließlich macht niemand solch einen professionellen Eindruck, wie der etwas füllige mobster aus New Jersey, der selbst den schnell aufbrausenden Ralphie, einen neuen Charakter in der Serie, ruhig stellen kann. In seiner zweiten Familie sieht es jedoch schon etwas anders aus. Die Streitereien mit seiner Frau Carmela gehören zum festen Bestand des Familienlebens und bleiben ein immer wiederkehrendes Phänomen, welches Tony aber, da er Affären nicht abgeneigt ist, irgendwie mit einkalkuliert. Zwar mag er sich seiner Frau gegenüber nicht jedes Mal clever anstellen, doch tatsächlich schweren Konsequenzen musste er sich bisher nicht entgegenstellen.

Auffällig ist, dass der Fremdgeher, Heuchler und Rassist namens Tony Soprano nun schneller zu reizen ist und einen strengeren Ton an den Tag legt. Natürlich war er noch nie ein Typ, bei dem man schnell den Verdacht hatte, dass er sich doch bestimmt heimlich SAILOR MOON anschaue und dort der Protagonistin im Kampf um Liebe und Gerechtigkeit die Daumen drücke, doch in der dritten Staffel verliert Tony in meinen Augen ein paar Prozentpunkte von seiner Kuschelidentität. Anders ausgedrückt: der Chef wird böser und zorniger. Dies stellt aber nicht eine Verschlechterung dar, sondern ganz im Gegenteil die Abrundung des gesamten Konzepts.

Sonntag, 11. Mai 2014

Seinfeld - Staffel 3

Seinfeld
USA, 1989 - 1998
Umfang: 9 Staffeln (180 Episoden)
Genre: Komödie
Idee: Larry David, Jerry Seinfeld


Jerry Seinfeld ist ein Stand-Up-Comedian und lebt in New York. Zusammen mit seinen Freunden George Constanza, Elaine Benes und Cosmo Kramer muss er sich durch Alltagsprobleme verschiedener Art durchschlagen.


Serien können oft von ihrem Entwicklungspotenzial profitieren, etwa dann, wenn sie nicht als feste, unbewegliche Masse angesehen werden und die richtigen Leute die Verantwortung haben. So war das auch bei der Sitcom SEINFELD, die in der dritten Staffel einige neue Ansätze erkennen ließ, ohne das bereits formulierte Programm, welches man in den ersten beiden Staffeln betrachten konnte, über Bord zu schmeißen. Das bezieht sich ganz konkret auf die Charaktere, die an Jerry Seinfelds Seite agieren und nun aufgrund der engeren Typisierung einen individuelleren Eindruck machen, zumindest innerhalb des Quartetts. Elaine, gespielt von Julia Louis-Dreyfus, verhält sich schrulliger, und der von Jason Alexander verkörperte George mutiert schneller zum Choleriker. Doch die schönste Überraschung ist Cosmo Kramer, diese nicht selten überkandidelte Person, die gegenüber Jerry wohnt. Endlich hat man aus ihm mehr gemacht, als nur einen Typen, der, meistens unbestellt, in Jerrys Wohnung hereinspaziert, um wieder über seine neuen bizarren Ideen zu sprechen oder seine Freunde durch einen dummen Spruch oder eine blöde Aktion in Verlegenheit zu bringen. Mich macht diese Veränderung auch deshalb so munter und glücklich, weil genau dieser Punkt auf meinem Wunschzettel stand. Kramer taucht in der dritten Staffel also nicht mehr ständig als eine erkennbare Nebengestalt und ein drolliger Pausenclown auf, der bloß da ist, um seine Nummer zu machen und danach wieder abzuziehen. Diese Integration von Cosmo Kramer bleibt nicht ohne positive Auswirkung, schließlich trägt dessen intensivere Beteiligung auch zu einem Mehr an Chaos bei.

Dabei muss darauf hingewiesen werden, dass die Umschreibung Mehr an Chaos im Seinfeld-Kontext sich auf etwas bezieht, was das Lacherkonto meistens fördert. Kaum etwas ist an dieser Serie anregender, als die Gewissheit, Menschen zusehen zu können, die sich an irgendwelchen Haken des sogenannten normalen Lebens verfangen und damit Situationen entstehen lassen, die zu vielen chaotischen Augenblicken führen. Gerade deshalb nimmt jede Folge erst dann Fahrt auf, wenn die Figuren den Griff des Absurden spüren und ihre Befreiung planen. Und je öfter und je extremer die Charaktere Berührungen mit absurden Elementen machen, desto mehr Stimmung herrscht vor. Sowohl auf dem Bildschirm wie auch auf dem gemütlichen Möbelteil vor dem Bildschirm. Dennoch verkauft sich das Team in erzählerisch schlichteren Episoden nicht nur unter Wert, wie beispielsweise eine Folge zeigt, in der George Constanza eine Frau kennenlernt, die nach seiner Meinung zwar perfekt zu ihm passe, aber deren Nase nicht optimal aussehe. So überredet er sie schließlich trickreich, ihre Nase zu operieren. Pech für George, dass die Schönheitsoperation nicht glattgeht und ein Schuss in den Ofen ist. Erst einen späteren Eingriff kann George als ästhetischen Fortschritt registrieren, aber zu diesem Zeitpunkt ist die Beziehung bereits kaputt, weil ihm die äußeren Werte viel wichtiger waren, als die inneren.

George, der für seine Aktionen in dieser Staffel wohl eine eigene Besprechung wert wäre, bleibt weiterhin ein großer Pessimist, der eine Niederlage nach der anderen einstecken muss. Die Schreiber der Drehbücher haben es besonders auf ihn abgesehen und lassen ihn hier von einer Pfütze in die andere rennen. George versucht sich als Autoeinparker, als Pulloververschenker, als Tatsachenerzähler, als Garagenpinkler, und scheitert, wie Männer der Spezies Pechvogel in solchen Formaten eben so scheitern. Auf der Suche nach zwei bestimmten Dingen, die sein Leben verändern sollen (Job und Freundin), bremsen ihn ständig verschiedene Dinge aus, die kaum kalkulierbar sind - womit SEINFELD abermals unterstreicht, dass nicht die Absicht vorliegt, eine analytische Charakterstudie im Gewand einer Unterhaltungssendung zu sein. Die bisherige Formkurve der Serie kann sich sehen lassen und ich kann mir nur schwer ausmalen, wie viele großartige Passagen noch auf mich warten. Neben der ersten Doppelfolge der Serie (DER NEUE FREUND), in der Jerry Seinfeld auf den Baseballspieler Keith Hernandez trifft (der sich übrigens selbst darstellt), gab mir AUF DER FALSCHEN SEITE am meisten das Gefühl, dass es keine Zeitverschwendung ist, sich die gesamte Serie anzuschauen. These pretzels are making me thirsty. Was für ein wunderbarer Spruch - besonders, wenn er aus dem Mund des andauernd angeschlagenen George Constanza kommt, mit dem man fast schon Mitleid haben kann.