Dienstag, 21. Juni 2011

Der geheime Garten

Der geheime Garten


USA, 1949
Genre: Drama, Kinderfilm
Regisseur: Fred M. Wilcox
Darsteller: Margaret O'Brien, Herbert Marshall

Die kleine Mary Lennox lebt mit ihren Eltern und einigen Dienstboten in Indien. Da ihre Eltern erkrankt und verstorben, die Bediensteten geflohen sind, kommt sie bei ihrem Onkel Archibald Craven unter. Schon am ersten Tag spürt die zwölfjährige Mary Lennox, dass im Anwesen des Onkels irgendetwas nicht stimmt. Die Bediensteten scheinen Geheimnisse zu haben und auf dem Flur hört man die Schreie eines Kindes. Und dann ist da noch der geheime Garten, der von einer großen Mauer umgeben ist und seit 10 Jahren nicht mehr betreten wurde.

Kommentar: Funktioniert sowohl als Kinderfilm wie auch als Familientragödie. Der große Reiz besteht darin, den Kindern zuzusehen, wie sie vor den Problemen der Erwachsenen flüchten, ja eigentlich vor dem Erwachsenwerden wegrennen, und sich ihr eigenes märchenhaftes Paradies bauen. In den Kinderfiguren aus den wohlhabenden Familien steckt viel Gram und Persönlichkeit - sie sind mit wenig elterlicher Zuwendung und mit der Gewohnheit aufgewachsen, ihre Bediensteten vollkommen nach ihre Pfeife tanzen zu lassen. Dementsprechend bestürzt könnte der ein oder andere Zuschauer über das Temperament der jungen Wilden sein. Dieses flacht jedoch mit der Entwicklung der Kinder ab. "Der geheime Garten" ist insgesamt ein schönes Porträt einer freundschaftlichen Verbindung, welches die Vermittlung von traditionellen Werten in den Vordergrund stellt.

4/10

Montag, 20. Juni 2011

Casting in Palästina

Casting in Palästina


Frankreich/Palästina, 2005
Genre: Drama, Dokumentation
Regisseur: Rashid Masharawi
Darsteller: Areen Omari, Mahmoud Al Massad

In Gaza soll ein palästinensisches Staatstheater gebaut werden. Die Finanzierung soll die EU und andere Geldgeber übernehmen. Der Theaterleiter Abou Jamil gibt dem anerkannten Regisseur und langjährigen Freund Ahmad den Auftrag Schauspieler für die Einrichtung zu suchen. Der wenig idealistische Ahmad will eigentlich ins Ausland und sein altes Leben in Palästina hinter sich lassen. Dennoch übernimmt er die Aufgabe und reist mit der Journalistin Bisan Nasar sowie einem Kameramann in verschiedene Flüchtlingslager, die sich in Syrien und Jordanien befinden. Doch schon bald stellt das Team fest, dass das Vorhaben fähige Schauspieler aufzutreiben weitaus schwierig zu meistern ist, als gedacht war.

Kommentar: Der Film verzichtet auf viele dramaturgische Kunstgriffe und fließt ruhig auf dem Bildschirm entlang. Effekthaschereien existieren nicht, dem Zuschauer wird weitesgehend die Welt der Palästinenser aus dem Blickwinkel des engagierten Regisseurs und Drehbuchschreiber Rashid Masharawi gezeigt. Besonders der Hauptcharakter ist in seiner Schärfe zur Emotionslosigkeit sehr gelungen. Ein rationaler, durch nichts zu überraschender Typ, der am liebsten einfach nur Komödien drehen würde. Er trifft auf Leid und wenig Hoffnung, das Casting betreibt Ahmad als reine Arbeit, für ihn ist alles nur Routine. Sein Gegenpart ist die Journalistin Bisan. Die der Meinung ist, Ahmad sei zu kalt. Erst im letzten Drittel weicht Ahmad's emotionslose Auftreten einer engagierten Haltung. Genau in dieser Phase wirkt das Drehbuch aber zu schlampig. Schlecht verhält es sich dann auch mit dem Wort "Warten", welches hier ein Gleichnis auf das Schicksal der Palästinenser darstellt. Dieses schiebt sich einfach zu weit in den Vordergrund.

4/10

Home

Home


Frankreich/Belgien/Schweiz, 2008
Genre: Drama
Regisseur: Ursula Meier
Darsteller: Isabelle Huppert, Olivier Gourmet

Eine fünfköpfige Familie haust in einer unbesiedelten Gegend direkt neben einer unfertigen Autobahn. Die Familie lebt in Harmonie und Ruhe. Als die Autobahn jedoch vollkommen überraschend fertig gebaut und für die Autos freigegeben wird, ist es damit vorbei. Die Mitglieder der Familie müssen lernen mit dem Lärm und anderen Erschwernisen zurechtzukommen. Ein Umzug scheint nicht in Frage zu kommen.

Kommentar: Stark, gewaltig und mitreißend. "Home" versteht sich als Parabel auf unsere moderne motorisierte Gesellschaft und ihren Drang zur Unabhängigkeit - außerdem beleuchtet der Film den Kampf des Individuums gegen das Streben der Masse. Dabei geht es ebenfalls um Themen wie Freiheit, Familie und den Bezug zur Natur. Die grotesken Züge verstärken sich je näher der Film dem Schluß entgegenläuft, der Kampf für das individuelle Glück verkommt zu einer bitteren Komödie mit dramatischem Effekt. Des Weiteren verzichtet "Home" auf viele Erklärungen und spielt fast die gesamte Spielzeit nur an einem Ort, nämlich der Heimat der fünfköpfigen Familie an der Autobahn; die Familie scheint weder Freunde noch Feinde zu haben und ihre einstige Idylle will sie nicht aufgeben. Schauspielerisch hervorragend vorgetragen, die Gefühle enthalten Transparenz und das Schicksal sollte niemanden kalt lassen. In "Home" geht es um viele Fragen. Die Beantwortung dieser - sofern es überhaupt möglich ist - liegt allein beim Zuschauer.

7/10

Sonntag, 19. Juni 2011

Alt, neu, geliehen & blau

Alt, neu, geliehen & blau


Dänemark, 2003
Genre: Drama, Komödie
Regisseur: Natasha Arthy
Darsteller: Sidse Babett Knudsen, Björn Kjellmann

Kurz vor der eigenen Hochzeit besucht Katrine ihre Schwester Mette in der Psychiatrie. Eigentlich will sie ihr über das bevorstehende Ereignis erzählen, allerdings bringt sie es nicht übers Herz, da sie glaubt ihre Schwester könnte diese Nachricht verletzen. Zwei Tage vor der Hochzeit taucht auf einmal Thomsen, der Ex-Freund von Mette, bei Kathrin und ihrem zukünftigen Ehemann auf. Seine Ankunft bringt viele neue Probleme mit sich, die Kathrin auf die Probe stellen.

Kommentar: Sympathische Tragikomödie im Dogma 95-Kleid. Viele Nahaufnahmen bezeugen das Interesse der dänischen Regisseurin an ihren Charakteren und sie bringen die Eigenheiten wie auch Emotionen von diesen näher. Und Emotionen spielen hier eine große Rolle. Ganz besonders im Fall von Katrine, deren Leben durch das Wiedersehen mit Thomsen von einem Tag auf den nächsten auf den Kopf gestellt wird. Es werden Lügen aufgedeckt, Vorwürfe gemacht, Angstgefühle offenbart. Dies passiert in einem schnellen Tempo, so dass die ein oder andere Charakterentwicklung sehr schwer oder gar nicht nachvollziehbar ist. Dafür ist die Gegenüberstellung von den Menschen im Freien und Katrine's Schwester Mette in der Psychiatrie umso besser geworden. Nicht selten fragt man sich als Zuschauer, wer denn nun normal ist und wer nicht. Zum Ende hin belohnt Regisseurin Arthy die Zuschauer mit einer Antwort. In "Alt, neu, geliehen & blau" geht es vor allem um Unbefangenheit und um die Fähigkeit sowie den Mut das Leben als Abenteuer zu nehmen.

5/10

Sonntag, 12. Juni 2011

La Strada

La Strada


Italien, 1954
Genre: Drama
Regisseur: Federico Fellini
Darsteller: Anthony Quinn, Giulietta Masina

Gelsomina, ein sehr unerfahrenes Mädchen, wird von der eigenen Mutter gegen 10.000 Lire an den wandernden Unterhaltungskünstler Zampano verkauft. Zampano ist äußerst hart zu ihr und benimmt sich barbarisch, nicht nur wenn es darum geht, aus Gelsomina eine Gauklerdame zu machen. Er verachtet sie und behandelt sie wie eine Sklavin. Nichtsdestotrotz ist sie von ihm abhängig und sucht nach dem Rat von Matto, einem Widersacher von Zampano, ihre eigentliche Funktion in der Beziehung.

Kommentar: Ein wirklich mitreißender Film über eine Geschlechterbeziehung, deren Untergang ein menschliches Scheitern auslöst. Es ist die Geschichte von zwei eigentlich einsamen und verlassenen, vollkommen unterschiedlichen Menschen, eine Geschichte, die sich langsam entwickelt, sich in höchst poetischen Bildern verliert und zum Ende hin in einem grandiosen und emotionalen Finale mündet. "La Strada" ist ein Glanzstück der neorealistischen Filmkunst und weist zwei Hauptfiguren auf, die man nicht aus den Kopf bekommt, wenn auch Filme mit ungleichen Personen nicht schwer zu finden sind. Wahrscheinlich liegt das vor allem an Masina's Darstellung der naiven und kindlich wirkenden Gelsomina, dieser verzweifelten Frau, die erst spät im Film erkennt - nämlich dann, wenn Fellini die lebensbejahende Botschaft durchwirft -, dass das Leben für jeden etwas bietet. Die Schauplätze im Film sind von meist dreckiger und ungekünstelter Art und unterstreichen somit die Bezüge zur damaligen Realität, in welcher die Menschen mithilfe von Unterhaltungskünstlern wie Zampano eine Flucht aus dem realen, harten Leben unternahmen.

8/10

Montag, 6. Juni 2011

Das Leben ist ohne Gnade

Das Leben ist ohne Gnade


Italien, 1957
Genre: Drama
Regisseur: Gillo Pontecorvo
Darsteller: Yves Montand, Alida Valli

Squarcio ist Familienvater und nimmt jedes Mal seine zwei Söhne zur Arbeit mit. Er ist Fischer wie so viele Männer an der Küste des Adriatischen Meeres. Was ihn von den meisten anderen unterscheidet, ist die Ausführung der Fischerarbeit. Während der Großteil der an der Küste lebenden Menschen die Fische mühsam mit Netzen fängt, macht Squarcio Gebrauch von Bomben, die ihm helfen in kürzester Zeit viele und vor allem große Fische ins Boot zu holen. Doch Squarcio muss immer auf der Hut sein. Die Gesetzeshüter sind ihm ständig auf den Fersen und möchten ihn auf frischer Tat ertappen. Und dann ist da noch Natale, der Händler und Ankäufer der Fische, der es sich nie nehmen lässt, ständig auf seine Machtposition hinzuweisen und die Ankaufspreise runterzudrücken. Den Fischern und auch Squarcio ist klar, dass nur eine gut organisierte Genossenschaft zur Emanzipation der Lohnabhängigen führen kann.

Kommentar: Auf den ersten Blick mag Protagonist Squarcio, um den alles im gesamten Film kreist, vielleicht wie ein sehr temperamentvoller und unvernünftiger Mensch vorkommen. Auf den zweiten Blick ebenso, aber hinter diesem Menschen steckt auch mehr. Der Sinn für die Familie, für die Kinder, die Frau. Auch für die schwer arbeitenden Fischer setzt er sich ein. Doch die schweren Lebensbedingungen und der unbändige Wille diesen zu entkommen, nötigen ihn zu Taten, die nicht der Vernunft folgen, sondern der Erfahrung. Ähnlich wie in Filmen von De Sica spielen auch hier Kinder eine große Rolle. Die beiden Söhne von Squarcio sind hautnah dabei, wenn ihr Papa Unrechtes tut und im Laufe des Streifens begreifen sie es auch. Dieses Bewusstsein für nicht rechte Taten und für die materielle Notwendigkeit spürt man in jeder Sekunde, in jedem Blick der Kinder, obwohl auf der schauspielerischen Seite nur Yves Montand als Squarcio und Alida Valli als seine Frau wirklich auffallen. Das Ende des Films könnte auch der Anfang eines anderen sein. Der eines viel optimistischeren, der uns Familienväter zeigt, die nicht ausgebeutet werden und Kinder, die das Wort Armut nur aus dem Wörterbuch kennen.

7/10