Mittwoch, 24. Juli 2013

Hideko, the Bus Conductor

Hideko, the Bus Conductor (Hideko no shashô-san)



Japan, 1941
Genre: Drama
Regisseur: Mikio Naruse
Darsteller: Hideko Takamine, Kamatari Fujiwara

Die junge Busbegleiterin Hideko kommt durch eine Nachrichtensendung auf die Idee, die Fahrten ihres Arbeitskollegen Sonoda mit Kommentaren über die ländliche Gegend und ihre kleinen Sehenswürdigkeiten zu begleiten, um mehr Fahrgäste anzulocken, da das Geschäft schon lange nicht mehr boomt. Dazu holt sie sich Hilfe von einem Schriftsteller aus Tokio, der unentgeltlich ein Skript für die neuen, Abwechslung ankündigenden Fahrten anfertigt. Doch bei der Generalprobe kommt es leider zu einem Unfall. 

Schmucklose Abbildung weiblicher Emanzipation

Kommentar: Keine ganze Stunde dauert Naruses Film, bei dem er zum ersten Mal mit der Schauspielerin Hideko Takamine arbeitete. Sie spielte in insgesamt siebzehn Filmen des Regisseurs mit und übernahm in HIDEKO, THE BUS CONDUCTOR die Hauptrolle. Hier verkörpert Takamine eine Busbegleiterin, die zusammen mit einem Kollegen Fahrten durch ein ländliches Gebiet unternimmt und Passagiere in einem schon recht klapprigen Gefährt willkommen heißt. Weil die Anzahl der Kunden auf der Route stets dürftig ist, kommt man auf die Idee, simultan zum normalen Mitfahrangebot auch noch eine Art Sightseeingshow zu veranstalten, damit es den Gästen nicht langweilig wird. Auf den ersten Metern vermag es der Film noch, Erinnerungen an den fantastischen MR. THANK YOU von Hiroshi Shimizu zu wecken, der fünf Jahre zuvor entstand und seine Handlung fast die gesamte Spielzeit über auf eine einzige Busfahrt beschränkte. An dessen Art von Alltagspoesie samt einprägsamer Schmucklosigkeit schließt Naruses Werk zwar ebenso an, doch merkt man schnell, dass der Plot einer anderen Ausrichtung verpflichtet ist und sich die Aufnahmen im Fahrzeug deutlich im Hintergrund halten, während in der zum Optimismus neigenden Erzählung von HIDEKO, THE BUS CONDUCTOR der Bus mehr als Symbol für das Vorwärtskommen verwendet wird, ansonsten aber marginal in Erscheinung tritt.

Entfaltungsdrang und Zuversicht gegenüber den Chancen der Erneuerung werden hier von einer Frau hervorgebracht und vorangetrieben sowie als Elemente für individuelle Persönlichkeitsentwicklung angenommen, sodass man im Zusammenspiel mit der detaillierten Buchstabierung dieser thematischen Kernpunkte gar von weiblich-emanzipatorischen Tönen sprechen kann, wenngleich der Film das sehr subtil vermittelt und nur Hinweise verteilt. Die vollständige Zuordnung zur Fraktion der kleinen Filmperlen wird allerdings durch die sympathische Leichtigkeit und die trockene Komik sichergestellt, denn schließlich sind diese Faktoren dafür verantwortlich, dass sich alles fernab jeder wuchtigen Dramatik abspielt und das Werk sich dadurch wieder ganz dem Geiste von MR. THANK YOU nähert.

Kleider machen Leute

Kleider machen Leute



Deutschland, 1940
Genre: Kömödie, Drama
Regisseur: Helmut Käutner
Darsteller: Heinz Rühmann, Hertha Feiler

Nachdem Schneider Wenzel von seinem Meister entlassen wird und einen feinen Frack, den er eigentlich für einen Kunden angefertigt hat, als Ausgleich für einen ausbleibenden Lohn bekommt, macht er sich auf eine Wanderung in eine andere Stadt auf. Auf dem Weg trifft er auf einen Herumtreiber, der sich mit ihm einen Scherz erlaubt und Wenzel einem Kutscher als Grafen vorstellt. Obwohl Wenzel aussagt, dass es sich um ein Missverständnis handelt, wird er in die Stadt Goldach kutschiert, wo ihn ein Wirt und dessen Personal empfangen, um seine Wünsche erfüllen zu dürfen. Wenzel kann seine neue Situation nicht recht fassen, fügt sich jedoch langsam dem Treiben.

Wahrer Adel verrät sich selbst... und ein Schneider bleibt immer ein Schneider

Kommentar: Als Leser, der Gottfried Kellers Novelle mit Begeisterung aufgenommen hat, war ich natürlich besonders gespannt, wie Käutner die dünne, aber reichhaltige Handlung in einem Spielfilm umsetzte. Ähnlich wie seine erste Regiearbeit KITTY UND DIE WELTKONFERENZ kommt die im 19. Jahrhundert angesiedelte Geschichte sehr heiter und bisweilen fast kitschig rüber. Genauso wie im Debüt nimmt der musikalische Aspekt keine minderwertige Rolle ein, sondern taucht jedes Mal in entscheidenden Augenblicken auf, wenngleich Rühmanns Gesang, den er gleich im Anfangsteil praktizieren darf, nicht gerade unschräg daherkommt. Neben Heinz Rühmann ist auch dessen Ehefrau Hertha Feiler zu sehen, die an einer Stelle ebenso ihr Organ bemühen darf, um mit Melodien die Handlung aufzufrischen. Die einfach gehaltene Erzählung über einen Schneider, der für einen Grafen gehalten wird und den Irrtum der Bewohner eines kleinen Städtchens nicht rechtzeitig aufklären kann, bleibt in vielen Teilen nicht weit von der literarischen Vorlage entfernt, sodass nähere Untersuchungen auf Stücke nationalsozialistischer Propaganda prinzipiell im Sande verlaufen müssen. Käutner modifizierte die Erzählung eher zugunsten der Möglichkeit, einige emotional-heitere Schmankerl bieten zu können, die die Aufstieg-und-Fall-Geschichte außerordentlich gut verträgt. Die kritischen Bestandteile aus Kellers Fassung lässt Helmut Käutner trotz wohlüberlegter Realismusabnahme allerdings nicht fallen und enttarnt mit satirischem Eifer den Sensationalismus, der Abwechslung vom Alltäglichen bringen soll, und den schon im Titel angedeuteten Zweck des Scheins sowie seine fragwürdige Wirkung.

The Outer Limits - Staffel 1

The Outer Limits
Kanada/USA, 1995-2002
Umfang: 7 Staffeln (154 Episoden)
Genre: Sci-Fi


OUTER LIMITS ist eine Sci-Fi-Serie mit einem starken Mystery-Einschlag sowie häufiger Nutzung von Horror- und Fantasyelementen. In der Serie, die in jeder Folge eine abgeschlossene Geschichte behandelt, geht es um übernatürliche oder fantastische Ereignisse und den Umgang der Menschen mit ihnen. Die Episoden spielen in der Zukunft, der Gegenwart und seltener auch in der Vergangenheit.


Manchmal sollte man sich von hohen Anforderungen lossagen können, um die einfach gestrickten Unterhaltungserzeugnisse zu genießen. OUTER LIMITS braucht in der Regel diese Haltung, weil das Niveau zwischen den einzelnen Episoden als ziemlich schwankend zu bezeichnen ist, was aber nicht allein an den unterschiedlichen Drehbüchern, Schauspielern oder Regisseuren liegt, sondern ebenso an den jeweils verschiedenen thematischen Ausrichtungen. Man muss wissen, dass OUTER LIMITS in jeder Folge ein anderes Hauptmotiv benutzt und somit eher ein allgemeines Bedürfnis nach übernatürlichen und die Wahrnehmung erweiternden Inhalten befriedigt, statt sich auf eine kleine Anzahl an Aspekten zu spezialisieren. Künstliche Intelligenz, Apokalypse, Identitätstausch, Gentechnik, Zeitreise sowie die Konfrontation mit extraterrestrischem Leben als Beispiele sind nur ein extrem kleiner Teil der Motivik, dessen Ausprägung man hier stets in kleiner Dosierung in Fiktionsform vorgetragen bekommt. Ganz gewiss hängt die Sicht auf eine Folge deshalb auch stark mit dem Betrachter und seinem Interesse an der jeweils dargelegten Thematik zusammen.

Natürlich wiederholt sich die US-kanadische Serie auch und greift immer mal wieder auf schon angewendete Motive zurück, und wer mit Außerirdischen und deren Aktivitäten nichts zu tun haben möchte, dem kann man schon beinah abraten, in OUTER LIMITS einen Blick zu wagen. Denn trotz genügend Abwechslung kommen Fantasiemalereien über Wesen, deren Ursprung nicht auf unserem Planeten liegt, sehr häufig vor. Oftmals halten sich mystische und grenzüberschreitende Begebenheiten allerdings ohnehin im Hintergrund, während moralische Bedeutungen des menschlichen Handelns eine zentrale Rolle einnehmen und wir in der Regel den Menschen beim Kampf um seinen Platz, seine Identität oder seine Überzeugung betrachten.

Das Format versteht sich als neue Version der 1963 gestarteten Serie mit dem gleichen Namen, welche jedoch nur 49 Episoden in zwei Staffeln vereinen konnte. Dagegen ist die aktualisierte Sendung mit seinen sieben Staffeln ein richtiger Gigant und kredenzt mit den ersten 21 Folgen eine Sammlung von interessanten Grundideen, Kreativität befürwortenden Umsetzungen aber auch vielen mittelmäßig oder gar schwach ausgearbeiteten Geschichten nach reizlosestem Baukastensystem. Überhaupt ist die Kluft zwischen der Prämisse und deren tatsächlicher Realisierung in einem dreiviertelstündigen Format sehr häufig riesengroß, sodass man ab und an enttäuscht vor dem Bildschirm sitzen muss und sich auch deshalb durch manch eine Folge regelrecht durchschleppen muss. Andererseits verlangt OUTER LIMITS kein langes Konzentrationsengagement ab und lässt sich aufgrund dessen leicht zwischen anderen Verpflichtungen weggucken.

Für mich persönlich gewährleisten zwar jene Folgen einen speziellen Unterhaltungswert, in denen irgendwelche Viecher und Monster vorkommen, weil diese zusätzlich zu ihren Darstellungen von Absonderlichkeiten ebenso einen trashigen Ansatz enthalten, doch überzeugen konnten mich auch einige der eher geerdeten Varianten der fantasievollen Betrachtung auf unser endliches Dasein. Eine Folge stellt beispielsweise das private Verhältnis zwischen einem Menschen und einem humanoiden Roboter in den Mittelpunkt. Dabei geht es im Laufe unter anderem darum, wie man eine solche persönliche Beziehung führen soll, ob man ähnliche Gefühle für eine Maschine entwickeln kann, wie man sie normalerweise Menschen gegenüber zeigt, und ob man mit den Gefühlen eines Roboters spielen darf. Doch längst nicht jede Episode verfolgt philosophische oder existenzielle Fragen, stattdessen bleiben eine Menge von ihnen in gelassener Haltung auf einer Trivialitätsschiene, ohne sich mit dem Versuch zu plagen, ihren Floskelcharakter abzustreifen.

In den Sümpfen

In den Sümpfen (Swamp Water)



USA, 1941
Genre: Drama
Regisseur: Jean Renoir
Darsteller: Walter Brennan, Walter Huston

Als eine Gruppe von Männern die Sumpfgegend Georgias absucht, um vermisste Jäger zu finden, ist auch Ben Ragan unter ihnen, dessen Hund bei der Spurensuche verloren geht. Trotz der Ermahnungen seines Vaters fährt er von neuem in die Sümpfe. Dort trifft er überraschenderweise auf den in der Gegend sehr gut bekannten Flüchtling Tom Keefer, dem er erst einmal keine allzu großen Sympathien entgegenbringt, später jedoch vertraut und sogar verspricht, sich um dessen Tochter zu kümmern, die in der Stadt wohnt und nicht vom Aufenthalt ihres Vaters Bescheid weiß.

Die Wahrheit ans Licht bringen

Kommentar: Gefilmt an den Plätzen des Okefenokee-Sumpfs in Georgia vermittelt der Streifen in den ersten Minuten eine unappetitliche Stimmung und setzt mit dem ersten richtigen Bildausschnitt, in dem wir ein Holzkreuz mitsamt Totenkopf bewundern dürfen, gleich die Signale, dass man es hier mit hässlichen Begebenheiten zu tun bekommen könnte. Ein herzlicher Empfang sieht freilich anders aus, doch daran lag Jean Renoir augenscheinlich wenig, der mit IN DEN SÜMPFEN seinen Einstand in den Staaten realisierte. Auf Handlungsebene geht es hierbei um einen jungen Mann, der eine gefährliche Sumpfgegend nach seinem weggelaufenen Hund absucht und dabei auf einen Vermissten stößt, welcher in einem Mordprozess für schuldig gesprochen wurde. Er hilft dem Verzweifelten daraufhin beim Versteckspielen, da sich dieser nämlich trotz Unschuld keine Chancen davon verspricht, die Unwahrhaftigkeit in seinem Prozess ans Licht der Richterzimmer zu bringen. Der pessimistische Ausblick straft ihn später allerdings Lügen, weil die Hauptfigur die einstmals getätigten Aussagen vor dem Gericht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft und einem Zeugen Bestätigungen entlockt, die für den missmutigen Versteckspieler die Wiedergewinnung der Freiheit und damit auch Rehabilitation bedeuten.

Vor der endgültigen Aufklärung ist IN DEN SÜMPFEN aber vollgepackt mit Kleinkriegen, die den übersichtlichen Personenkreis einer kleinen Gemeinde sehr authentisch abbilden und noch dazu eine einzwängende Atmosphäre entstehen lassen, wodurch kleinste aggressive Regungen eine massige Gestalt annehmen können. Recht clever behandelt der Film so verschiedene kleine und große Bösartigkeiten sowie Unstimmigkeiten, welche in der undurchbrechenden Enge schwerlich auf die leichte Schulter zu nehmen sind. So treu er dem System Hollywoods auch ergeben ist, so sehr traut sich IN DEN SÜMPFEN also immer mal wieder zu tiefen Einblicken in das Zusammenleben menschlicher Existenzen. Da das Ende Renoir nicht schmeckte, weil es vom zuständigen Produzenten Irving Pichel kam, maß der französische Regisseur seiner ersten Arbeit in den USA wenig Bedeutung bei. Sie kann tatsächlich nicht mit seinen besten Werken aus den Dreißigern konkurrieren, verbleibt mit den interessanten inhaltlichen Faktoren sowie den lebendigen Außenaufnahmen eines Sumpfgebiets meiner Ansicht nach aber stets in deren Reichweite.

Die Spur des Falken

Die Spur des Falken (The Maltese Falcon)



USA, 1941
Genre: Kriminalfilm, Thriller
Regisseur: John Huston
Darsteller:  Humphrey Bogart, Mary Astor

Sam Spade betreibt mit seinem Partner Miles Archer ein kleines Detektivbüro in San Francisco. Eine gewisse Ruth Wonderly bietet die beiden eines Tages, ihre Schwester zu suchen, welche sich wohl mit einem geheimnisvollen und gefährlichen Mann namens Foyd Thursby in San Franciso aufhält. Miles, der in der selben Nacht aufbricht, um den Geheimnisvollen zu beschatten, wird an einer Straßenecke erschossen. Als auch die Leiche von Thursby gefunden wird, bekommt Privatdetektiv Sam Spade die unangenehme Aufmerksamkeit der Polizei. Derweil sucht Sam auch den Kontakt zu der Ruth auf, die ihm auf die zwei Vorfälle jedoch nur ausweichend antwortet. Als ein zwielichtiger Typ ihm auch noch eine gute Stange Geld für die Statue eines Falkens anbietet, ist Sam Spade sich klar, dass er in Verwicklungen geraten ist, die Zeit und Ausdauer brauchen, bis sie gelöst werden.

Die kolossalische Aura von Humphrey Bogart

Kommentar: Aus filmhistorischer Perspektive gilt DIE SPUR DES FALKEN als großes Vorbild für alle klassischen Krimis der Schwarzen Serie und überrascht noch heute mit einer vollends überzeugenden Inszenierung, deren Brillanz man kaum gering schätzen kann. Huston adaptierte nicht nur die Motive aus Dashiell Hammetts Roman der Vorlage getreu, er hielt seine im Film erzählte Story ebenso sehr nah an der literarischen Quelle. Allerdings setzte er auf eine Vereinfachung der Schauplätze, reduzierte deshalb die Geschichte auf wenige Räume und drehte nur wenige Aufnahmen unter freiem Himmel. Dies führt in Kombination mit dem zügigen Handlungsverlauf dazu, dass eine unangenehm angespannte, aber gleichzeitig ausgesprochen packende Enge entsteht, die das Tun und Wirken auf dem Bildschirm genauso glaubwürdig macht wie es den Zuschauer auch selbst in eine Stimmung versetzt, bei der ihm sich schon mal der Kopf drehen kann. Denn der Plot über einen Privatdetektiv und dessen Aufklärungsbemühungen um eine mysteriöse und wertvolle Statue stellt die Charaktere nicht frei von Komplexität aus.

Stattdessen erschließt sich erst nach und nach, welche Figur hier mit welcher zusammenspielt und warum. Hinzu verweigert es Huston ebenfalls, seinem Debütfilm durch Anbiederungen an die Forderung nach sogenannten moralisch integren Charakteren sehr viel Farbe zu geben und präsentiert deshalb - ganz dem Kriminalroman Hammets entsprechend - einen Figurenbestand, bei dem alle Teile insofern eine unmissverständliche Gemeinsamkeit aufweisen, als dass sie als Vorbilder wenig taugen würden. Diese Anti-Vorbilder wurden in Hustons Mischung aus ständiger Beschleunigung und wiederkehrender Entschleunigung übrigens bis in die Nebenrollen fantastisch mit Leben gefüllt, wobei durch die starke Fokussierung auf den Hauptdarsteller natürlich niemand an die schier kolossalische Aura von Humphrey Bogart heranreicht.

Donnerstag, 11. Juli 2013

Assault on Wall Street

Assault on Wall Street



Kanada, 2013
Genre: Thriller, Drama
Regisseur: Uwe Boll
Darsteller: Dominic Purcell, Erin Karpluk

Jim arbeitet als Sicherheitsmitarbeiter sehr hart, um seiner Frau und sich selbst ein anständiges Leben zu ermöglichen. Als die Krankenversicherung die Zahlungen für die teure Behandlung seiner kranken Frau stoppt und das Geld knapp wird, versucht es Jim mit einem für ihn bis dahin eher alternativen Modell der Geldbeschaffung und investiert in Anlagen, die sich später als wertlos herstellen. Nachdem sich seine Frau aufgrund der aussichtslosen Situation umbringt, fängt er an, aus Wut und Rachegelüsten die Verantwortlichen seiner Misere zu erschießen.

Endlich anfangen, selbst Kritiker zu sein

Kommentar: Ganz ohne Vorurteile kann man an Uwe Boll Filme heute eigentlich gar nicht mehr rangehen. Zwar hat der kundige Zuschauer längst verstanden, dass der Uwe zum einen Filme dreht, die ihm am Herzen liegen, also solche, die gesellschaftliche Verhältnisse infrage stellen; aber zum anderen er auch innerhalb abgesteckter Genrerahmen an Werken arbeitet, welche in erster Linie einfach Geld bringen sollen. Doch trotz dieser Kenntnis möchte der Funke auch weiterhin nicht recht überspringen, was Boll ständig dazu treibt, Kritiker und das normale Filmpublikum der Voreingenommenheit anzuklagen. Man kann nun gewiss nicht ablehnen oder leugnen, dass es bei vielen Liebhabern des Mediums Ressentiments gegen den deutschen Regisseur gibt, doch genauso wäre es falsch, die Voreingenommenheit oder Feindseligkeit als völlig unberechtigt zu deklarieren. Das hat weniger mit seiner Person, mehr jedoch mit seinen Filmen zu tun. Denn auch ASSAULT ON WALL STREET ist nur ein gut gemeinter, aber absoltut in die Hose gereimter Vers auf den bösen Finanzkapitalismus, den der Regisseur hier auseinandernehmen möchte - selbstverständlich nicht analytisch, sondern im zerstörerischen Sinne. Was auf den ersten Metern trotz extremster Schablonenhaftigkeit noch gut funktioniert und dem Plot durchaus Momente eines inneren Chaos oder einer schleichenden Entrissenheit entlocken kann, verkommt immer mehr zu einer Rachestory mit populistischen Fußnoten, bis es schließlich in einem Festtagsschmaus für alle Linksextremisten und deren Sympathisanten gipfelt. So verbirgt sich hinter all der guten Absicht doch wieder einmal nur die Lust am Spektakel. Es wäre endlich an der Zeit, dass Boll nicht die Kritiker zum Hinterfragen ihres Tuns drängen würde, sondern sich selbst.

Weihnachten im Juli

Weihnachten im Juli (Christmas in July)



USA, 1940
Genre: Komödie
Regisseur: Preston Sturges
Darsteller: Dick Powell, Ellen Drew

Der bescheiden lebende Büroangestellte Jimmy MacDonald gewinnt bei einem Preisausschreiben eine stolze Summe von 25.000 Dollar und holt das Geld beim überraschten Unternehmenschef ab, für dessen Firma er einen Slogan angefertigt hat, der ihm den sagenhaften Gewinn bescherte. Der überreicht ihm den Check und wundert sich schwer, als der Gewinner ihm den Slogan vorspricht, der ihm arg sinnlos erscheint. Während der verärgerte Chef vergeblich versucht, das zuständige Auswahlkomitee zu erreichen, geht Jimmy mit seiner Freundin auf eine große Shoppingtour, ohne zu wissen, dass die Mittelung über den Gewinn nur ein Streich seiner Arbeitskollegen war, und es nur eine Frage der Zeit ist, bis es auch das Unternehmen erfährt.

Like Christmas in July!

Kommentar: Der Film erzählt von einem unbedeutenden Angestellten, der in einem extrem lauten Großraumbüro arbeitet und davon träumt, sich endlich ein Stück vom Kuchen des amerikanischen Traums abzuschneiden. Dafür nimmt er am Wettbewerb einer Firma teil, die 25.000 Dollar für den besten Slogan verschenkt. Obwohl sein eingeschickter Spruch recht sinnfrei ist, von seiner Freundin belächelt und zum Dauerwitz des Films wird, darf er sich die Riesensumme abholen und bekommt vom Chef seiner Firma sogar ein eigenes Büro spendiert und wird prompt zum gefragten Berater für Werbestrategien. Der Zuschauer wartet währenddessen jedoch gespannt auf die Zertrennung von gewonnenen Moneten und dem Naivling, dem Arbeitskollegen nur einen kleinen Streich spielen wollten und deshalb scherzhaft und ohne böse Absichten eine Gewinnbenachrichtigung anfertigten, die jedoch über ihren beabsichtigten Zweck klar hinausschoss. Auf dem Boden der traurigen Tatsachen angekommen, verdichtet sich in seinem Wesen eine Milde, die nicht so sehr Resignation offenbart, sondern eher Verständnis und Akzeptanz, als wäre er auf eine Lektion gestoßen, die ihn zwar schon sein ganzes Leben lang begleitet hat, aber mit der er sich nie auf eine ernsthafte Konfrontation einlassen wollte. Bei vielen anderen Regisseuren wäre so ein Kleiner-Mann-wird-riesengroß-und-dann-wieder-klein-Plot zu einer emotionalen Tragödie mitsamt pathetischem Heckmeck zerlaufen, Sturges macht daraus stattdessen eine überaus raffinierte, mit satirischen Spitzen gestaltete Komödie, die sowohl der Gesellschaft den Spiegel vorhalten kann als auch deren Widersprüche aufzudecken weiß.

Battlestar Galactica - Staffel 1

Battlestar Galactica
USA/Kanada, 2004-2009
Umfang: 4 Staffeln (75 Episoden)
Genre: Drama, Sci-Fi
Produktion: Ronald D. Moore, David Eick


Vor 40 Jahren haben die Menschen mit den von ihnen selbst erschaffenen Zylonen, hochtechnologischen- und intelligenten Maschinen, einen Waffenstillstand abgeschlossen, nachdem die Erfindungen gegen ihre Schöpfer rebelliert hatten. Doch nach Jahren der Ruhe schlagen die Zylonen auf einmal mit einem nuklearen Angriff zurück, der fast die gesamte Menschheit auslöscht. Nur Menschen, die sich zum Zeitpunkt der Vernichtung im Weltall befinden, können den Angriff überleben, darunter auch die Crew des militärischen Raumschiffs Galactica sowie einige Tausende von Zivilisten auf kleineren zivilen Schiffen. Da alle 12 Kolonien von Menschen ausgelöscht und von Zylonen besetzt sind, entschließt man sich, nach der legendären dreizehnten, der Erde, zu suchen, deren Existenz jedoch nicht bewiesen ist.


Oft wird geschrieben, BATTLESTAR GALACTICA sei eine ungewöhnliche Sci-Fi-Serie, weil sie trotz Raumschiff-Action nicht Effekte und spektakuläre Kämpfe in den Vordergrund stelle, sondern sich auf die Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen und Individuen sowie ethische Probleme konzentriere. Da ich noch keine andere Weltraum-Serie aus dem angesprochenen Genrebereich gesehen hab, kann ich diese These weder be- noch zerlegen. Allerdings lässt sich schon durch die Sichtung der ersten Staffel mühelos konstatieren, dass die Serie sehr viel Wert darauf legt, durch eine durchdachte Geschichte und kluge Charakterzeichnungen perfekte Rahmenbedingungen für menschliche Dramen zu setzen, die sich nach dem nuklearen Angriff der Zylonen ereignen.

Wer allerdings auf den dreistündigen Pilotfilm verzichtet und sofort mit der ersten Staffel beginnt, der sei gewarnt, dass er nicht nur etwas Großartiges verpasst, sondern natürlich auch die überraschenden Attacken der Zylonen nur in einer kleinen Zusammenfassung zu sehen bekommt. Ebenfalls ist die Entstehung der Serienordnung ein zentraler Teil des Piloten und setzt sich nicht erst mit Beginn der Staffel zusammen. Des Weiteren lässt sich BATTLESTAR GALACTICA in den ersten beiden Folgen in Sachen Speed und Hektik nicht lumpen und setzt ohne Rücksicht auf die Pilot-Schwänzer auf höchste Alarmbereitschaft im Raumschiff Galactica und ihrem Konvoi. Erst ist die Kolonne dazu verpflichtet, alle 33 Minuten ihre Position zu wechseln, um die fliegenden Zylonenmaschinen loszuwerden, welche die Schiffe im gleichen Rhythmus über Tage hinweg terrorisieren. Dann werden auf der Galactica Wassertanks zerstört, die so viel wertvolle Flüssigkeit verlieren, dass die Verantwortlichen nichts weiter tun können, als ihre Piloten rauszuschicken, um auf einem nahen Mond nach Wasser zu forschen.

Die großen Krisen draußen scheinen aber meistens eher als Aufhänger für die kleineren zu arbeiten, werden die spannendendsten Auseinandersetzungen doch gar nicht im Weltall geführt. Neben Machtkämpfen, Streitereien, wo die Zuständigkeitsbereiche von Politik und Militär liegen, und den ganz normalen Zankereien zwischen Kollegen passieren die dramatischsten und plotrelevantesten Ereignisse so gut wie immer auf festem Raumschiffboden. Schließlich konkretisiert sich eine markante Zerstörungskraft im Inneren schon dadurch, dass einige weit entwickelte Zylonenexemplare wie normale Menschen aussehen und fühlen können. Erst als die Galactica-Mitglieder mitsamt der Präsidentin sich dieser Gefahr vergegenwärtigen, wird ihnen das dünne Eis, auf dem sie stehen, vollends bewusst, während der Zuschauer schon weiß, dass es sogar Maschinen gibt, die darauf programmiert wurden, zu denken, dass sie Menschen wären.

In jedem Fall ist es ganz sicher, dass sich mindestens ein solches Modell auch an Bord der Galactica befindet und die Stelle einer hochrangigen Pilotin besetzt. Mehrmals referenziert ihr Handeln auf ihre Identität als Zylon und es ist nicht ganz unwitzig anzuschauen, wie sie sich mit Gewissensbissen plagt, wenn sie zwischen der in ihr programmierten Menschenseite und dem Zerstörungsauftrag des Zylonenbunds wählen muss. Das gleiche Modell ist noch einmal im Subplot der Serie zu sehen, in dem ein zurückgelassenes Galactica-Mitglied auf einem von Zylonen besetzten Planeten um sein Überleben kämpft, weil er dort - wie im Pilotfilm zu sehen - zurückgelassen werden musste. Da er nicht das Wissen besitzt, dass Zylonen die Gestalt von Menschen haben können, glaubt er der Maschine - die wie seine Kollegin ausschaut - ihre Geschichte von der Rückkehr, die sie um seiner Rettung willen unternommen hat. Diese Nebengeschichte wird in jeder Episode nur kurz behandelt und nie wirklich ausgeführt, sorgt jedoch für Abwechslung, zumal es dabei nicht selten ordentlichen Äktschn-Stoff gibt.

Über die Neuauflage der Klassiker-Fernsehserie KAMPFSTERN GALACTICA aus dem Jahr 1978 lässt sich kaum Schlechtes vermelden, jedenfalls bieten die ersten 13 Folgen kaum Raum für schwächere Abschnitte. Dennoch bleiben 1-2 Folgen unterdurchschnittlich, wozu speziell der Anfangsteil gehört, welcher selbst für jemanden, der den Pilotfilm kennt, etwas zu viel Hektik bereithält, dafür weniger in die Tiefe geht. Spätestens das entzückende Finale kompensiert dann aber alle kleineren Mängel und liefert einen brillanten Moment nach dem anderen ab. Von einer Debatte über den Wert von religiösen Mythen und Prophezeiungen über einen Absturz inklusive blutüberströmter Leichen bis zu einem schwerwiegenden Interessenkonflikt zwischen dem Militär und der Präsidentin erlebt der Zuschauer eine unheimlich gute Verkettung wie auch Isolierung von Ereignissen. Und dann endet die Staffel auch noch mit einem mächtigen Bumm.

Mittwoch, 10. Juli 2013

Die Teufelspuppe

Die Teufelspuppe (The Devil-Doll)



USA, 1936
Genre: Thriller, Drama
Regisseur: Tod Browning
Darsteller: Lionel Barrymore, Maureen O'Sullivan

Paul Lavond, ein ehemals erfolgreicher Bankier wurde von seinen Kollegen reingelegt und muss deshalb eine lange Gefängnisstrafe absitzen. Zusammen mit einem Erfinder gelingt ihm jedoch die Flucht. Im Haus des Erfinders, wo sich die beiden Männer vor der Polizei verstecken, gibt es ein Labor, in dem Menschen und Tiere auf Puppengröße geschrumpft werden. Damit wollen der Wissenschaftler und seine Frau, die auffällig begeistert von der Technik des Schrumpfens ist, die Menschen unter ihre Herrschaft bringen. Der entflohene Ex-Bankier ist zuerst skeptisch, doch dann fällt ihm die Idee ein, dass er sich die Schrumpfmethode zunutze machen könnte, um Rache an seinen ehemaligen Kollegen bei der Bank zu nehmen.

Oberflächliche Mangelhaftigkeit

Kommentar: Man könnte dem Werk ohne allzu große Schwierigkeiten viele grobe Logikfehler ankreiden, weil Situationen und geistig-seelische Entfaltungen sich in Teilen doch arg der Schlüssigkeit entziehen und einzelne Plotpunkte etwas Unvollständiges an sich haben, denen man deshalb nicht wirklich seinen Glauben schenken möchte. Andererseits ist ultimative Stringenz natürlich eine überschätzte Eigenschaft, wenn nicht eine überflüssige Forderung, die auf eine Fantasiefeindlichkeit schließen lässt. Mag DIE TEUFELSPUPPE also manches Mal sehr fragmentär sein, so korrespondiert es aufgrund dessen wenigstens besser mit den simplen Figuren und den nicht immer perfekten Spezialeffekten, weil sich aus den Baustücken eine oberflächliche Mangelhaftigkeit formt, die auf den ersten Blick vielleicht erschreckt, doch nach feinerer Betrachtung die Aufmerksamkeit auf die betörenden Seiten dieser Unvollkommenheit legt. Dass der Film zum Teil versucht, den Katalog der Universal-Horrorfilme zu übernehmen, gleichzeitig jedoch einen Part des Konfliktursprungs der Geschichte im Rahmen eines waschechten Dramas zu verhandeln, um über eine tragische Vater-Tochter-Beziehung zu erzählen, ist eine wirklich mutige Angelegenheit, auch wenn dieser in knapp 80 Minuten keine volle Kontur verliehen werden konnte. Der zu einem festen Genreschema ungebundene, vorletzte Film Tod Brownings legt natürlicherweise trotzdem darauf Wert, eine gute Figur zu machen, was insbesondere im Falle der Leistungen von Lionel Barrymoore (IST DAS LEBEN NICHT SCHÖN?) und Maureen O'Sullivan (DER DÜNNE MANN) zu honorieren ist, die zwar in wenigen Szenen zusammen zu sehen sind, aber deren Performance undiskutierbar über den Qualitäten der anderen Faktoren des Films steht.

Der große McGinty

Der große McGinty (The Great McGinty)



USA, 1940
Genre: Drama, Komödie
Regisseur: Preston Sturges
Darsteller: Brian Donlevy, Muriel Angelus

McGinty ist ein Gammler und trifft eines Abends auf einen Herrn, der ihm Geld dafür anbietet, wenn er im Namen toter Leute die Wahlkabinen aufsucht und für den Bürgermeisterkandidaten Tillinghast stimmt. Nachdem McGinty den Herrn von seinen Gängen durch insgesamt 37 Wahlkabinen in Kenntnis setzt und sein Geld fordert, erntet er die Aufmerksamkeit eines wichtigen Mannes in der Partei, der McGinty nach einem hitzigen Gespräch einen Job anbietet und später gar als Bürgermeister vorschlägt. Doch damit hat McGintys Aufstieg noch nicht seinen Höhepunkt erreicht.

Wenn verantwortungslose Schurkerei zum Normalfall wird

Kommentar: Der schon seit Anfang der Dreißiger Jahre im Drehbuchgeschäft tätige Sturges legte 1940 mit THE GREAT MCGINTY ein Regiedebüt vor, das ihn als überdurchschnittlich talentierten Schreiberling endgültig in die erste Reihe der Hollywoodkünstler stieß. Das Kuriose an der Sache ist, dass der Regisseur das Skript des Films für ganze 10 Dollar an die zuständige Produktionsfirma Paramount verkauft haben soll, um im Gegenzug das Recht zu bekommen, den Film selbst zu drehen. Dass der Film dann im gleichen Jahr mit dem Oscar für Best Writing Original Screenplay ausgezeichnet wurde, ist dann schon weniger kurios, sondern eher folgerichtig, auch wenn der das selbe Jahresdatum tragende WEIHNACHTEN IM JULI ein ziemlich starkes Konkurrenzprodukt war. Obwohl DER GROSSE MCGINTY noch mehr ein Drama als eine Komödie ist, gibt es in der Moralgeschichte einen dicken satirischen Ton, der ordentlich vibrierend daherkommt und mehr als nur gut klingende linke Belehrungssprüche beinhaltet. Die Hauptfigur, der große McGinty, der es durch glückliche Umstände und Betrügereien zu einem angesehenen Gouverneur gebracht hat, scheitert just in dem Moment, als er den Versuch unternimmt, ehrlich zu sein und als hochrangiger Politiker Verantwortung für die gesamte Bevölkerung zu übernehmen. Preston Sturges' Debüt ist eine pessimistisch stimmende Entlarvung des politischen Betriebs, wo verantwortungslose Schurkereien als schlüssig wahrgenommene Selbstverständlichkeiten angenommen werden und Bemühungen um Gerechtigkeit und Moral zum Nachteil gereichen. - "What you rob, you spend, and what you spend goes back to the people. So, where's the robbery? I read that in one of my father's books." - "That book should be in every home."